„Hältst du mich wach, damit ich keinen Jetlag bekomme?“

Ich liege auf meiner kleinen Matratze im Gästezimmer auf dem Boden. Die vier Wochen auf den Philippinen sind fast rum und ich bin froh, bald wieder nach Hause zu kommen. Urlaub mit den Eltern ist doch etwas anstrengend. Vor allem, wenn man sich ein Zimmer teilt. Denn die Filipinos sind da nicht so. Die schlafen alle in einem Raum.

Die LED-Anzeige meines Handys blinkt und ich schaue, wer mir geschrieben hat. Hier ist es gerade mal 6 Uhr morgens und Zuhause in Deutschland ist es 23 Uhr. Die Zeit, in der viele vor dem schlafen gehen noch mal ihr Handy in die Hand nehmen und allen schreiben. So auch Mr. Massage. Er ist tatsächlich mal über seinen Schatten gesprungen und hält mich für so uncrazy, dass er mir seine Handynummer anvertraut hat. Daher schreiben wir. Fast täglich. Er schreibt, dass er es kaum noch abwarten kann, dass ich endlich wieder Zuhause bin, damit wir uns treffen können. Ich schreibe, dass es dann doch eh wieder Wochen dauern wird, bis wir uns tatsächlich sehen. War ja bisher immer so. Aber er verspricht anderes. Er will wissen, wann genau ich wieder da bin und ich schreibe, dass es Donnerstagnachmittag so weit ist. Ob er mich dann wach halten will, wenn ich nachmittags völlig übermüdet ankomme und nicht schlafen darf? Klar. Macht er. Als ob.

Die Koffer sind gepackt und meiner bringt gerade mal 20 kg auf die Waage. Alle wünschen mir einen guten Flug und als ich am Flughafen in Singapur bin, informiere ich Mr. Massage darüber, dass alles pünktlich ist. Ich schaue vier Filme im Flugzeug, schlafe sieben Stunden und drehe mich ängstlich nach den hustenden Menschen hinter mir um. Sehen asiatisch aus. Aber da komme ich ja auch gerade her. Der Kapitän gibt irgendwann das Zeichen, dass wir nun landen und ich versuche meine Füße in meine viel zu engen Sneaker zu quetschen und ermahne meine Eltern, dass wir uns gleich beeilen müssen, denn wir haben nur 20 Minuten bis zum nächsten Flieger.

Als wir dann in München aussteigen, steht auch schon ein Mitarbeiter der Airline bereit und scheucht uns innerhalb von 10 Minuten bis zum nächsten Gate, was extrem anstrengend ist. Zum Glück habe ich mich als Handgepäckstück für einen Rucksack entschieden. Nicht für einen kleinen Koffer und auch nicht für eine Tragetasche. Wir nehmen im Flugzeug Platz und starten wenig später. Aber erst muss das Flugzeug noch enteist werden. Hier sind es schließlich keine 32 Grad mehr, sondern minus vier. Dann heben wir ab und landen eine Stunde später im trüben Bremen. Leider sind unsere Koffer nicht so schnell gewesen wie wir, weswegen wir auf die nächste Maschine warten müssen, die zum Glück eine halbe Stunde später kommt

Wieder schreibe ich Mr. Massage, der gerade zur Arbeit fährt. Ich habe eigentlich noch drei Stunden, bis mein Zug geht, doch durch die Koffersache und das Trödeln meiner Eltern stehe ich sechs Minuten vor Abfahrt am Gleis und finden einen Platz neben einer Frau mit Hund, der es sich direkt auf meinem Schoß bequem macht.

Ich merke, wie ich immer müder werde und stelle mir meinen Wecker. Ich darf einschlafen, aber ich darf meine Haltestelle nicht verpassen und versuche mich mit Serien abzulenken. „Feierabend!“, schreibt Mr. Massage und wir machen aus, dass ich zu ihm fahre, was mir ganz recht ist. Mein Zimmer ist bestimmt kalt und unordentlich. Ich erreiche meine Haltestelle ohne einzuschlafen und treffe direkt auf meine Mitbewohnerin, der ich all meine Mitbringsel zeigen muss. Die Durian Candys, die Mangos, die Magneten, das Bananenbrot. Eine Stunde sitze ich mit ihr zusammen, bis mir Mr. Massage wieder einfällt. „Bist du eingeschlafen?“, fragt er besorgt nach und ärgert sich, dass er mich nicht erreichen kann. Tja … Karma und so. Ich gehe duschen, er gibt mir seine Adresse und zeichnet auf google maps ein, zu welchem Bussteig ich muss. Im Bus verdrücke ich noch ein paar Kekse, spiele Pokémon und frage ihn, ob er mich gleich abholen kommt. „Klaro“

Weil alle Welt gerade von der Arbeit wieder nach Hause will, ist es auf den Straßen voll und ich komme mit zehn Minuten Verspätung an. „Wo bist du?“, lese ich auf meinem Handy. Ja, echt scheiße, wenn man so kurz vorm Treffen so wenig Rückmeldung bekommt. Aber ich antworte ihm natürlich, dass ich gleich da bin.

Der Bus hält und ich sehe ihn schon vom Fenster aus, wie er auf einer Bank sitzt und auf mich wartet. Ich stoße mir das Knie als ich aussteige und er begrüßt mich mit einer festen Umarmung. „Hey Urlauberin!“, sagt er und wir laufen los. Wir haben uns seit dem Herbst nicht mehr gesehen. Es müsste Oktober oder September gewesen sein und irgendwie … irgendwie sieht er anders aus. Seine Haare sind länger. Zumindest die obere Partie, die nun so lang ist, dass sie sich locken. Er trägt eine komische Hose und läuft irgendwie … nicht sehr elegant. Ich bin bisher noch nie neben ihm gelaufen, daher ist mir das vorher noch nicht aufgefallen. Ich habe ihn irgendwie heißer in Erinnerung. Er fängt an zu reden, erzählt mir irgendwas, stellt mir Fragen und ist ganz aufgedreht. Ich nicht. Ich bin müde und kaputt. Wir kommen bei ihm an und seine Jacken- und Schuhsammlung ist erstaunlicher als meine. Man könnte meinen, dass mindestens fünf Menschen in der Wohnung leben und nicht nur einer.

Wir gehen in sein Wohnzimmer und er versucht Musik anzumachen, mit der ich einverstanden bin und bietet mir etwas zu trinken an. Wir sitzen auf seinem Sofa, plaudern, er legt den Arm um mich und ich frage ihn nach der Massage, die er mir versprochen hat. Er hat zwar angekündigt, dass die kurz ausfällt, weil er so geil auf mich ist, dass er sich bestimmt nicht zurückhalten kann, aber ich will sie trotzdem.

Also ziehe ich mich aus, er hilft mir, wir fangen an zu knutschen und er jammert, als ich seine Hände wegschiebe und noch einmal auf die Massage verweise. „Kann ich das nicht danach machen?“ Nö. Das geht nicht. Ich bekomme die Massage, die, wie angekündigt, recht kurz ausfällt, weil er seine Hände danach woanders hat. Aber das ist okay. Das kann er ja. Vor allem, wenn seine Zunge auch noch zum Einsatz kommt. Aber irgendwie … irgendwie hatte ich das alles besser in Erinnerung. Ich komme zwar, aber nicht so heftig wie letztes Mal.

Er kramt nach einem Gummi und dringt dann in mich ein. Er ist wild und stürmisch, was nicht unbedingt schlecht ist, doch dann hält er meine Fußknöchel fest, lässt sie wieder los, so dass ich meine Beine selber oben halten muss und dann passiert es. Ein Krampf. In meiner Wade. Verdammtes zum Gate rennen. Es tut weh. Er schreckt panisch auf. Ruft „willst du eine Magnesiumtablette?“ und dann ist es vorbei. Die Stimmung auch. Ich brauche eine Pause, das war alles ganz schön anstrengend. Er ist natürlich noch nicht fertig, lässt mich aber auf seiner Brust liegen, bis ich mich dann bei ihm revanchiere. Er hat ja schließlich schon ziemlich viel gemacht. Ich habe nur einen Krampf bekommen. Er kommt auch irgendwann, nachdem ich ihn ein bisschen geärgert habe, um das alles etwas zu verzögern und dann liegen wir wieder da. Mein Kopf auf seiner Brust, meine Beine um seine geschlungen.

„Ich liege gerne so, aber meistens schlafe ich dann ein. Und dann beschwerst du dich, dass ich dich nicht wach gehalten habe“, sagt er. Aber er schläft nicht ein. Sein Handy klingelt und neugierig schaut er aufs Display. Ich kann es ebenfalls sehen. Irgendwer von der Arbeit. Er geht ohne Vorwarnung dran. Okay … er bespricht mit irgendwem irgendwas. Er hat so eine richtig laute, tiefe Stimme, die fast schon in den Ohren weh tut. Zumindest, wenn man auf dieser Person drauf liegt und alles vibriert. „Entschuldige, das war wichtig und ich muss eben noch wen anderes anrufen. Sonst wissen wir morgen nicht, was wir zu tun haben.“ Okay. So lange er weiß, dass das eigentlich unhöflich ist und sich dafür entschuldigt, hab ich kein Problem damit. Wieder vibriert alles und ich bewundere seine laute, tiefe Stimme. Dann ist er fertig.

Wir liegen noch eine Weile so da und er erzählt mir Sachen. Von seiner Tante, von seiner Oma, von keine Ahnung was. Ich bin müde. Wirklich müde. Und ich habe Hunger. Das letzte richtige Essen hatte ich im Flugzeug. Danach gab es nur noch Kekse und Mangos.

„Hast du Hunger?“, fragt er mich, so als ob er meine Gedanken lesen könnte. Ich nicke. Er bietet mir Schokolade an, fragt, ob er was kochen soll oder ob ich was bestellen will. Doch er wohnt so weit draußen, dass es nur wenige Möglichkeiten gibt und ich habe nach 4 Wochen philippinischem Essen auch keine Lust auf Fast Food. Ich will irgendwas Frisches. Und einkaufen gehen.

Also lösen wir uns wieder voneinander und ich ziehe mich an. Er bringt mich noch zum Bus und ich hole mir anschließend ein Falafelsandwich, esse es hungrig im Bett, bevor ich dann neben dem Teller einschlafe. Immerhin habe ich bis abends durchgehalten und mein Jetlag fällt nicht allzu schlimm aus.

Und Mr Massage? Der scheint tatsächlich nicht so und hat mich wahrscheinlich wirklich nicht mit Absicht versetzt, sondern einfach nur vergessen, dass er neben WhatsApp auch noch einen anderen Messenger hat, der öfters mal nicht Bescheid gibt, dass da Nachrichten sind. Ist mir inzwischen auch schon passiert. Wenn ich ihm jetzt schreibe, antwortet er innerhalb einer Stunde, aber eigentlich muss das jetzt auch gar nicht mehr sein, denn ich will ihm eigentlich gar nicht mehr schreiben…

auf den Philippinen 2

Ich sitze gerade in einem viel zu kalten Zimmer in El Nido auf Palawan. Eigentlich war geplant, dass meine Schwester ebenfalls mit auf die Philippinen kommt. Dementsprechend hat meine Cousine in weiser Voraussicht ein Familienzimmer gebucht. Leider. Denn die Familienzimmer liegen in zweiter Reihe, während die Doppelzimmer direkt am Strand liegen. Am Strand von El Nido. An der Bucht mit Blick auf die typischen philippinischen Boote, die an den Seite diese hölzernen Stützarme haben und mit Blick auf die rauen Felsen, die aus dem Wasser ragen. Die Aussicht wäre genial gewesen. Die Aussicht in diesem Zimmer dagegen leider nicht. Leider überhaupt nicht. Denn wenn wir die Vorhänge aufziehen, blicken wir auf die Baustelle nebenan, die tagsüber ziemlich laut ist. Aber wer bleibt am Tag schon im Hotelzimmer? Also außer mein Vater, der über Fieber und Appetitlosigkeit klagt und bis auf Bananen nichts herunter bekommt. Wahrscheinlich eine Lebensmittelvergiftung. Von den Eiswürfeln in den Getränken, vom Leitungswasser, das beim Zähne putzen in seinen Mund geraten ist oder vom Fisch in Davao, der seit mehreren Stunden ungekühlt in der Theke lag. Bei 31 Grad.

 

Mir dagegen geht es gut. Zumindest einigermaßen. Wir haben direkt am ersten Tag eine Island Hopping Tour gemacht. Tour A. Die Tour, bei der man über schroffe Steine in eine einsame Lagune klettert, mit dem Kajak krasse Wellen überwinden muss, bis man in eine weitere einsame Lagune kommt und am Ende Hunde an einem traumhaft weißen Sandstrand streicheln kann. Diese Tour war ganz schön anstrengend. Als meine Mutter vorgeschlagen hat, dass wir eine Island Hopping Tour machen, dachte ich, dass wir auf einem Boot von Insel zu Insel schippern. Dass wir an weißen Sandstränden landen und dann bequem vom Boot springen.

Dass wir direkt zu Beginn der Tour mit unseren ganzen Sachen erstmal durch das brusthohe Wasser im Meer wandern müssen, um zum Boot gelangen, habe ich nicht erwartet. Auch nicht, dass die erste Destination so einsam und unerreichbar ist, dass das Boot gut 200m davor hält und man den weiten und recht gefährlichen Weg über Steine und tote Korallen zurücklegen muss. Als ich völlig fertig mit den Nerven am Strand angekommen bin, habe ich erst gemerkt, dass ich mir das Schienbein an Steinen oder Korallen aufgeschlagen habe und es furchtbar blutet, als einer der Tour Guides mich darauf aufmerksam macht. Aber ein Pokémon Trainer kennt keinen Schmerz. Oder so ähnlich. Ich habe es weggewischt und den Schmerz weggelacht. Zwei Tage später tut es dann doch furchtbar weh und ich schicke ein Foto der Wunde an eine befreundete Ärztin, weil es in El Nido selbst keinen Arzt gibt. Nur ein Krankenhaus. Sie gibt Entwarnung und ich kann mich meinem Sonnenbrand widmen, der ebenfalls furchtbar weh tut. Meine Mutter hat mir im Vorfeld nämlich nicht erzählt, dass wir nur mit Handgepäck reisen und als gewissenhafte Deutsche, die immer die Regeln befolgt, habe ich mein gutes, deutsches, wasserfestes Sonnenspray Zuhause in Davao gelassen, weil es über 100ml enthält. Dass ich auch mit einer 1l Flasche hätte anreisen können, weil das am Flughafen absolut niemanden interessiert, habe ich nicht glauben wollen, weswegen ich in Puerto Princesa eine absolut überteuerte, schlechte Sonnencreme mit LSF 35, nicht wasserfest und für fast 10 Euro gekauft habe, weil es nichts anderes gab. Außer Sunblocker mit Whitening Effect natürlich. Aber man soll doch sehen, dass ich im Urlaub war, wenn ich in zwei Wochen wieder im kalten Deutschland bin.

Also habe ich jetzt Sonnenbrand und Sonnenallergie, weil ich natürlich nicht rechtzeitig mit der Calcium-Einnahme begonnen habe und die Sonne mich so unerwartet und heftig getroffen hat. Nicht auf dem Boot. Da bin ich nämlich immer schön in den Schatten geflüchtet, aber auf dem Meer. Beim Schnorcheln. Als ich Familie Nemo gefunden und beobachtet habe. Für sehr lange Zeit.

Ich liege also mit meinem schmerzenden Bein und meinem Horrorsonnenbrand auf dem Bett im kalten Zimmer und habe das Bedürfnis direkt am nächsten Tag wieder so etwas Spannendes zu machen. In El Nido kann man tauchen. Ganz gut sogar. Und direkt neben dem Hotel befindet sich ein Tauch Shop. Ebenfalls ein recht guter. Und ich habe doch letztes Jahr meinen Tauchschein gemacht. Was für ein Zufall! Also creme ich meine geschädigte Haut mit der überteuerten Bodylotion ohne Whitening Effect ein, ziehe mir ein Kleid an und laufe die paar Meter rüber.

„Yes, Ma’am?“, ruft mir die Frau hinter dem Tresen zu. Ich erschaudere jedes Mal, wenn ich das philippinisch ausgesprochene Ma’am höre. Es klingt nicht wie die amerikanische Kurzform von Madam. Sondern einfach nur wie Mom. Es ist ok, wenn meine Mutter so angesprochen wird, aber ich fühle mich dadurch plötzlich wie 40. Ich erkläre ihr, dass ich tauchen gehen will und sie deutet auf einen der Mitarbeiter, der gerade durch die Tür kommt. Wir setzen uns hin, er will wissen, welchen Tauchschein ich habe und studiert mein PADI Kärtchen ganz ausführlich, während ich die Formulare ausfülle und ihm die grüne Eco-Bescheinigung reiche, die man bekommt, wenn man die 200 Peso für die Eco-Tax bereits bezahlt hat. Er nennt mir den Preis, der für die Philippinen recht hoch ist, als Europäer aber unter dem Durchschnitt liegt. 80 Euro für 3 Tauchgänge, Ausrüstung und Essen. Er kassiert die Anzahlung ein, erklärt mir lang und ausführlich, warum sie das machen, bis er bemerkt, dass ich ja im Hotel nebenan bin und sie mich notfalls aus dem Zimmer schleifen könnten, sollte ich nicht pünktlich sein. Ich nicke, verabschiede mich und gehe mit meiner Mutter ziemlich leckeres Schweinefleisch essen.

Essen ist auf den Philippinen so eine Sache. Erst heute habe ich verzweifelt versucht, etwas ohne Reis zu bekommen. Hier gibt es immer Reis. Selbst bei McDonalds. Wahrscheinlich würden sie Reis auch zur Pizza servieren, wenn sie könnten. Aber nach 2 Wochen mit zwei Reismahlzeiten am Tag kann man es irgendwann nicht mehr sehen. Eigentlich mag ich Reis. Inzwischen hasse ich Reis. Und ich kann mich an ein Leben vor dem Reis gar nicht mehr erinnern. Was habe ich sonst jeden Mittag und jeden Abend gegessen? Ich weiß es nicht. Auf jeden Fall gab es Reis. Reis mit Fleisch. Vegetarier haben auf den Philippinen kaum eine Chance. Veganer sowieso nicht. Außer in den Touri-Orten vielleicht. Und dann gab es Halo-Halo. Aber das war schlecht gemacht. Und ziemlich eklig.

Anschließend schlendern wir noch durch die Straßen und suchen nach Postkarten. Postkarten gibt es selten. In Davao habe ich immer noch keine gefunden. In Manila ebenfalls nur vereinzelnd. In El Nido dagegen werde ich fündig. Hier sind ja auch Touris. Und Touris sind auf den Philippinen für mich irgendwie komisch. Ich komme seit Jahren immer nur nach Mindanao, wo sich seit ein paar Jahren nur noch sehr selten welche hintrauen. Eine Freundin von mir war letztes Jahr auf den Philippinen und ihr wurde sogar erzählt, dass sie für Mindanao gar kein Visum bekommen würde. Aber für El Nido schon. Und da sind entweder junge Backpacker, die den Philippinen auf ihrer Asienrundreise einen Besuch abstatten oder ältere weiße Männer, die hoffen, hier eine junge, schöne philippinische Frau kennen zu lernen und mit nach Deutschland zu nehmen. Und das klappt ziemlich gut. Die Philippinen sind zwar schön. Vier Jahreszeiten sind aber manchmal noch schöner.

Das denke ich mir auch, als ich verschwitzt zurück ins Hotelzimmer komme und meine dreckigen Füße erstmal unter die Dusche halte. Ich schaue auf die Uhr und sehe, dass es erst 21 Uhr ist. Hier wird es bereits um 18 Uhr dunkel und das obwohl es draußen so heiß ist. Ich denke also automatisch, dass wir schon 23 Uhr haben müssen, wenn der Himmel schwarz ist, aber falsch gedacht. Ich packe meinen pinken Ocean Back, nehme meine Calcium Tabletten, um noch irgendwas zu retten und werfe noch eine Cetirizin für die Mückenstiche hinterher. Dann stelle ich meinen Wecker für 6.30 Uhr und lege mich pünktlich um 21.30 Uhr ins Bett. Wie so eine Oma.

Und dann bekomme ich Angst. Vorm tauchen. Denn eigentlich habe ich wirklich Angst davor. Davor, dass mir die Luft ausgeht, der Tank schon zu Beginn leer ist oder ich meinen Buddy verliere und für immer im Meer verloren gehe. Und davor, dass ich eine Flosse ins Gesicht geschlagen bekomme und meine Maske verliere und sie dann wieder aufsetzen muss. Habt ihr mal einen Tauchschein gemacht und diese bekackte Übung mit der Maske absetzen und wieder aufsetzen im Pool und dann auch noch im Meer machen müssen?! Ich bin fast wahnsinnig geworden und habe überlegt, wie viel ich meinem Tauchlehrer wohl zahlen muss, um diese Übung überspringen zu dürfen. Und dann habe ich sie aber doch gemacht und irgendwann sogar freiwillig, weil meine Maske nicht saß und ständig Wasser reingelaufen ist, weshalb ich sie in 18m Tiefe mit meinem Tauchlehrer tauschen musste. FREIWILLIG!

Durch die Cetirizin schlafe ich aber irgendwann recht schnell ein, träume nicht von Masken, die im Meer verloren gehen und wache ziemlich fit auf, als mein Wecker klingelt. Ich ziehe mich an, laufe zum Frühstück auf der gegenüberliegenden Seite und finde mich dann wenig später pünktlich im Tauch Shop ein. Neben mir ist ein weiterer Open Water Diver dabei, der mein Buddy ist. Eine weitere macht erst ihren Schein, während eine andere den Auffrischungskurs macht. Dann gibt es noch zwei erfahrene Taucher, die unbedingt durch die Höhle tauchen wollen, während ein anderer seinen Dive Master macht. Das erste Briefing folgt, alle stellen sich vor und dann werden die Wetsuits verteilt und angezogen.

Wir laufen die paar Meter runter zum Strand, laufen durch das Wasser auf das Boot zu und dann geht es los.

 

Auf den Philippinen 1

Ich sitze im kurzen Kleid draußen auf einem harten Holzstuhl und muss jede 10 Minuten die Position wechseln, da mir sonst irgendwas einschläft. Es sind 31 Grad und ich schwitze, sobald ich mich bewege. Neben mir steht ein lauwarmer Kaffee und drinnen höre ich meine Mutter mit meinen Cousinen laut auf Tagalog sprechen. Die Tür geht auf und ein kleines Mädchen mit riesigen schwarzen Augen starrt mich an. Sobald ich ihren Blick erwidere, grinst sie, guckt mich noch ein paar Sekunden länger an und rennt dann wieder nach drinnen. Ich höre meine Mutter rufen: „Talk to her! Talk to Lucy!“ und das Mädchen kommt wieder zu mir nach draußen. Wieder starrt sie mich an, traut sich aber nicht ein Wort auf Englisch zu sagen. „Practice your english. Go! Talk to her!“, aber sie will nicht. Stattdessen schnappt sie sich ihre pinke Hundeplüschtasche, die sie eben geschenkt bekommen hat und spielt einkaufen.

Das kleine Mädchen ist die Tochter von meiner Cousine, die vor Jahren nach Dubai gezogen ist, um dort in einem großen Luxushotel zu arbeiten. Aktuell ist sie wieder auf den Philippinen, auf denen ich mich gerade ebenfalls befinde. Wir wohnen in einem Haus, was meine Mutter vor Jahren gekauft hat. Hohe Standards darf man nicht erwarten. Es hat hohe Decken, die von außen gelb gestrichen sind, ein blaues Dach und weder eine Toilettenspülung noch eine funktionierende Dusche. Wie in fast allen Häusern hier, muss man seine Scheiße, wortwörtlich, selber wegmachen, indem man einen Eimer mit Wasser hinterher kippt. In einem kleinen Raum daneben befindet sich die Dusche, die lediglich aus einem großen Eimer Wasser besteht, in dem eine kleine Kelle liegt, mit der man sich das kalte Wasser über den Körper gießen kann. Normalerweise dusche ich morgens, doch hier habe ich das Duschen auf abends verlegt, denn morgens bringe ich es einfach nicht fertig, kaltes Wasser über mich zu kippen. Nach einem anstrengenden, verschwitzten Tag gibt es tatsächlich aber nichts besseres.

Meistens verdränge ich das oder hoffe, dass es inzwischen anders ist. Also die Toiletten- und Duschsituation, aber nach wenigen Tagen hat man sich dran gewöhnt. Immerhin gibt es eine Klimaanlage im Gästezimmer, was wir, meine Eltern und ich, natürlich bewohnen. Wenn wir nicht hier sind, wohnt meine Cousine hier, die so gut wie jeden Preis in der Schule und Uni gewonnen hat, den man nur bekommen kann. Beste der Klasse, des Jahrgangs, überhaupt und keine Ahnung. Meine Cousinen sind alle sehr motiviert, denn meine Mutter hat ihnen versprochen, dass sie ihnen Geschenke macht, wenn sie gut sind. Und Geschenke aus Deutschland sind immer toll. Dafür strengt man sich gerne an.

Weil meine Cousine so schlau und motiviert ist, hat sie, wie unsere anderen Cousinen, noch kein Kind, obwohl sie schon längst in dem Alter ist. Hier bekommt man nämlich früh Kinder und meist bleibt die Frau dann Zuhause, während der Mann das Geld verdient. Aber meine Cousine möchte gerne im Ausland arbeiten und bewirbt sich für alle möglichen Jobs in Australien. Da wäre ein Kind natürlich hinderlich. Wieder starren mich zwei schwarze Augen an. Meine Mutter kommt raus, ruft „aaay. Black Beauty, oh!“, die Kleine rennt davon und meine Mutter öffnet das Tor, um zu den Nachbarn zu gehen. Noch bevor sie überhaupt bei dem Haus angekommen ist, ruft sie ihren Namen. Hier gibt es nämlich keine Klingeln. Man schreit einfach so laut den Namen der Person und irgendwann wird sie sich schon melden. Gut isolierende Fenster braucht man nicht, daher bestehen die meist aus einem Fliegengitter und klappbaren Fenstern, die aus mehreren Streifen Glas zusammengesetzt sind, die man in zwei Richtungen klappen kann. Entweder auf oder so geschlossen, dass die warme Luft draußen bleibt, wenn man die Klimaanlage einschaltet. Und durch diese Fenster hört man, wenn der Nachbar den Namen ruft, ein Fischverkäufer seine Fänge anbietet oder zufällig zur Mittagszeit mit einem Korb voll Gemüse auf dem Kopf vorbei kommt.

Das Tor ist nicht ganz geschlossen, weswegen jetzt ein Hund vor mir steht und bellt. Die gibt es hier natürlich überall. Genau so wie Straßenkatzen. Sie liegen auf den Mauern, im Hof oder auf den Terrassen.

„Shh! Shh!“, macht meine Mutter als sie zurück kommt und den bellenden Hund sieht. Er verschwindet und sie schließt das Tor.

„Ihr Vater ist Inder, weißt du das?“, fragt meine Mutter als das Mädchen mal wieder durch die Tür lugt, um mich anzustarren. Das erklärt natürlich die schwarzen Augen und die ungewöhnlich dunkle Haut. „Komm Baby. Wir essen jetzt Schokolade from Germany“, sagt meine Mutter zu dem kleinen Mädchen, nimmt sie an die Hand und führt sie wieder ins Haus. Wenn sie hier ist, kommt sie mit den drei Sprachen immer etwas durcheinander.

Das kleine Mädchen wird, wie alle kleinen Kinder hier, total verwöhnt und vergöttert. Da sie ein „Mischling“ ist, aber noch etwas mehr.

Als Kind hatte ich stets rote Wangen, weil alle Tanten und anderen weiblichen Freunde immer in meine Wangen gekniffen haben, um zu verdeutlichen, wie süß sie mich finden. Als Teenager durfte ich mir die ganze Zeit anhören, wie „beautiful“ ich doch sei. Im Gegensatz zu meiner Schwester sehe ich sehr westlich aus und habe nicht diese typische flache Nase. Und weil alle flache Nasen haben, stehen sie auf große Nasen. Und natürlich auch auf helle Haut, weswegen man sehr gründlich suchen muss, um irgendwelche Körperpflegeprodukte ohne Bleaching Effekt zu bekommen.

Es ist inzwischen mittags und die Hitze staut sich. Obwohl ich unter einem Vordach sitze und die Sonne nicht direkt auf mich drauf scheint, wird es mir zu heiß. Ich gehe rein und setze mich auf das Sofa, während meine Mutter mit meiner Tante das Essen kocht. Es wird wahrscheinlich wieder Reis geben. Wie immer. Ich kann ihn jetzt schon, nach nur wenigen Tagen, nicht mehr sehen. Seitdem ich nicht mehr Zuhause wohne, esse ich vielleicht ein paar Mal im Jahr Reis, mal abgesehen vom Sushi natürlich.

Ich frage, was wir heute noch machen und meine Mutter schlägt vor, dass wir in das nahe gelegene Shopping Center fahren. Auf Tagalog fragt sie das kleine Mädchen, ob sie „Halo Halo“ essen will und begeistert nickt sie. Halo Halo ist das Lieblingsdessert meiner Mutter. Es besteht aus geschabtem Eis, das mit süßer Kondensmilch übergossen und mit roten Bohnen, Obst und kleinen Puddingstücken garniert wird. Oben drauf sitzt meist noch eine lila Eiskugel, die seine Farbe der Ube-Wurzel zu verdanken hat. Bevor man es isst, musst man gründlich mischen, sonst schmeckt es nicht.

Wir machen uns fertig und laufen dann durch das Wohngebiet. Es gehört zu einem der besseren Viertel. Überall stehen Häuser, die mit Toren verschlossen sind und die meisten haben ihre eigenen Autos. Wir nicht, also laufen wir zur Hauptstraße und sofort hält der erste Tricycle-Fahrer an und fragt, ob wir mit ihm fahren wollen. Tricycles sind umgebaute Mofas. Man hat ihnen ein Metallgestell aufgesetzt, auf dem mindestens drei Leute oder mehr Platz finden. Wenn es nur Filipinos sind, dann mehr. Große Europäer haben da wahrscheinlich ihre Probleme, denn selbst ich passe mit meinen 1,70m manchmal nicht unter das Dach, ohne mir den Kopf zu stoßen. Zumindest bei einigen Modellen. Meine Eltern sitzen vorne, während ich hinten mit der Oma und dem kleinen Mädchen sitze. Meine Cousine findet auf dem Beifahrersitz des Fahrers Platz.

Und dann geht es los. Es ist wackelig und ich habe jedes Mal Angst, dass das Teil einfach auseinander bricht. Die Abgase der anderen Verkehrsteilnehmer werden einem ungehindert ins Gesicht geblasen und wenn es hoch oder runter geht, muss man seine Beinmuskulatur ganz schön anstrengen, um nicht raus zu fallen.

Ich gucke mich um und entdecke, dass der Fahrer einen „We Duterte“-Aufkleber auf dem Fenster hat. Ich befinde mich aktuell in Davao, dem Heimatort von Präsident Duterte. Tatsächlich liegt sein Haus nur ein paar Straßen weiter, weswegen meine gesamte Familie große Anhänger sind. Die Bewohner Davaos lieben ihn, weil er hier für Recht und Ordnung gesorgt hat, während er in der restlichen Welt ja eher einen schlechten Ruf hat.

Wir kommen in der riesigen Shopping Mall an und weil wir bald mit Handgepäck fliegen, will ich noch schnell eine Tube Sonnencreme kaufen, weil ich nur ein Spray mit über 100ml habe. Schnell geht es hier aber wirklich nicht. Nicht nur, dass ich ewig brauche, um die winzige Sonnencreme-Abteilung zu finden, sondern auch, dass es eigentlich nur Sunblocker und Sonnencreme mit Whitening Effekt gibt. Als ich dann doch etwas mit SPF 35 gefunden habe, stelle ich mich hinter die drei Leute vor mir und warte fast 15 Minuten. Und das obwohl vier Leute hinter der Kasse stehen. Aber hier kennt man effektives Arbeiten nicht und alles dauert etwas länger. Aber das ist okay. Ich habe es ja nicht eilig.

Ich bezahle und als ich die Münzen zu lange anschaue, weil ich nicht weiß, welchen Wert zu haben, werde ich doch als Touristin entlarvt. Meist gehe ich, zumindest in Davao, wo nur sehr wenige Touristen herkommen, als Einheimische durch. „Thank you for giving exactly, M’am“, sagt die Kassiererin und packt mir meine Sonnencreme in eine Plastiktüte ein, die sie dann mit einem Tacker verschließt, an dem der Bon hängt. Plastik gilt hier noch nicht als so böse wie in Deutschland. Hier ist alles aus Plastik und jeder noch so kleine Einkauf wird in eine Plastiktüte gepackt und wenn man dann schreit „no no! No plastic bag!“, wird das Produkt wieder aus der Tüte genommen und die Tüte weggeschmissen. Die war ja jetzt schließlich schon benutzt.

Wir essen Halo Halo und fahren dann mit dem Taxi nach Hause, weil wir Einkäufe haben. Ich gucke auf die Uhr und stelle fest, dass es in Deutschland erst nachmittags ist, aber ich bin müde. Den Jetlag habe ich gut ausgestrickst, in dem ich die 30 Stunden Reisezeit einfach mal gar nicht geschlafen habe. Wenn ich wieder zurück bin, werde ich damit größere Probleme haben. Aber das dauert ja noch ein paar Wochen …

Kik wird abgeschaltet?

Die Nachricht, dass der Messenger Kik abgeschafft wurde, hat Jodel ziemlich schnell erreicht und Panik verbreitet. Jodel ohne Kik? Was? Nach was sollen die Geier denn jetzt fragen und auf welche anonyme Plattform soll man jetzt wechseln? Instagram? Nee, nicht anonym genug. Snapchat? Wer hat das heutzutage noch. Telegram? Möglich, aber auch eher blöd. Die Panikmache war da und plötzlich erhielt ich Nachrichten von Leuten, von denen ich seit Wochen oder Monaten nichts mehr gehört habe.

Wie Mr Massage. Der mich beim letzten Mal schon wieder versetzt hatte. Ohne ein Wort zu sagen. Und dann tauchte er unter. Für vier Wochen. Er schrieb und statt ihn zu ignorieren oder seine Nachricht zu blocken, hörte ich mir an, was er zu sagen hatte. Bzw. las es.

Er wollte es wieder gut machen. Unbedingt. Das kann doch so nicht auseinander gehen. Er will nicht, dass ich ihn für immer hasse und so im Gedächtnis behalte. Was er anstellen will, um mich wieder zu besänftigen? Er kommt vorbei und gibt mir eine Massage. Schließlich kann er das ja so gut. Und dann will er anderes machen, was er auch sehr gut an.

Ich lachte, dachte mir „ja klar. Passiert eh nicht“, doch er wollte nicht locker lassen. Ich verriet ihm, dass ich am nächsten Morgen Zuhause sei und dass er sich doch melden soll, wenn er sein Versprechen über Nacht nicht wieder vergessen hat.

Als ich mit meiner Müslischale und meinem Kaffee am Esstisch saß, erreichte mich dann tatsächlich eine Nachricht von ihm.

„Hast du gut geschlafen?“

„Klar“, antwortete ich knapp.

„Und wie sieht es aus?“

„Ich muss erst frühstücken. Und dann duschen. Um 11 Uhr kannst du herkommen“, tippte ich ins Handy und rechnete damit, dass er plötzlich wieder offline ging und sich nie wieder meldete.

Aber es kam nicht so.

„Okay. Bis gleich“, tauchte auf meinem Display auf und danach ein „wird etwas später“, als ich kurz vor 11 aus der Dusche stieg. Ich zog mich an, machte mich für den Tag fertig und schaute auf die Uhr. 11.30 Uhr. Wann sollte denn dieses später sein?

Gerade als ich mich dazu durchgerungen hatte, ihn zu fragen, wann er denn hier sein wollte, tauchte ein „bin da“ auf. Ich schaute aus dem Fenster und konnte ihn über die Straße laufen sehen. Mit einer Cappie und Rucksack. Passte gar nicht zu seinen spießigen Ralph Lauren Klamotten, die er sonst immer trug.

Ich machte die Tür auf und schüchtern schaute er mich an, bevor er mich dann umarmte und mir in die Wohnung hinterher trottete.

Er legte seine Sachen ab und setzte sich sofort auf mein Bett, bevor er anfing, sich wieder zu erklären und zu entschuldigen.

„Und wieso hast du mir jetzt geschrieben?“, wollte ich noch mal wissen.

„Ich habe das Gerücht um Kik gehört und dann habe ich ein schlechtes Gewissen bekommen. Du solltest mich nicht so in Erinnerung behalten. Ich bin eigentlich echt nicht so.“ Glaubte ich zwar nicht so recht, aber jetzt war er ja da. Wir plauderten weiter, bis er mich fragte, ob ich jetzt meine Massage einfordern will. Und ich wollte.

Ich zog mich aus, dieses Mal komplett und legte mich auf mein Bett. Er kletterte neben mich, verteilte das Öl auf meinem Rücken und fing an. Dieses Mal hatte ich nicht meine Tage, weswegen er sich vielleicht 15 Minuten mit meinem Rücken beschäftigte und seine Finger dann zwischen meinen Beinen hatte.

„Willst du dich mal umdrehen?“

Ich drehte mich um, er rutschte runter zu meinen und dann zwischen meine Beine und fing an mich zu lecken. Und oh mein Gott. Wieso habe ich nicht früher gewusst, dass er das SO gut kann? Vielleicht lag es an der Massage, dass ich eh schon total entspannt war, vielleicht auch daran, dass er es einfach wirklich super mega obergut konnte, aber ich kam innerhalb kürzester Zeit und zwar heftig.

Ich drückte seinen Kopf nach oben, woraufhin er über mich kletterte, um mich zu küssen. Währenddessen griff ich nach seinem harten Schwanz und fing an ihn zu massieren. Er war groß und hart und dick und ich wollte ihn nur zu gern in mir spüren, weswegen ich nach den Kondomen griff und ihm eins reichte.

Es war keiner in der WG, aber das Fenster war auf und ich denke, dass mich die Nachbarn daher hören konnten, denn es war gut und hart und anstrengend und befriedigend und mir tat alles weh, als ich von ihm runter kletterte, nachdem auch er gekommen war.

Er musste noch zum Arzt und ich hatte ebenfalls Termine, die sich nie verschieben ließen, weswegen ich ihn kurze Zeit später mit zittrigen Knie wieder aus der Wohnung ließ. Mein Hals tat weh, überall waren Knutschflecken und auf mein Brustbein sollte sich in den nächsten Tagen besser auch keiner mehr abstützen. Aber das war es wert.

„Vielleicht hört man ja noch mal was voneinander, wenn kik nicht abgeschaltet wird.“

Wer weiß. Wenn nicht, wäre es auch nicht schlimm. Man soll schließlich aufhören, wenn es am schönsten ist oder nicht? Und jetzt zeigt der letzte Kik-Chat von uns zumindest ein lachendes Smiley und kein wütendes „war so klar, du Arsch!“.

Wie war das mit der Zuverlässigkeit?

„Na, alles klar bei dir?“, leuchtet plötzlich eine Nachricht in meinem Postfach auf. Es ist Mr Hachsoschön, der sich alle paar Monate meldet, in der Hoffnung, dass ich ihm doch noch eine Chance gebe. Aber die hat er sich in der Vergangenheit immer selbst verbaut, weil er eigentlich immer nur so lange meine Aufmerksamkeit will, bis ich ihm die Bestätigung gebe, dass ich ihn will. Und dann verschwindet er und kommt Monate später wieder an. Das geht jetzt seit Jahren so, aber aus irgendeinem Grund habe ich das Gefühl, dass es dieses Mal anders ist. Außerdem liege ich gerade in meinem Turmzimmer auf Mallorca und bin hellwach, weil ich Panoramafenster habe und mir die Sonne ins Gesicht scheint. Um 8 Uhr morgens. Was nicht schlimm ist, denn ich bin ausgeschlafen und beim Anblick des blauen Himmels bin ich gut gelaunt, aber keiner der anderen ist wach, also hänge ich am Handy. Und da ist nun mal die Nachricht von Mr Hachsoschön. Ich antworte und wir schreiben fast den ganzen Tag miteinander. Ich gebe mich interessiert und frage ihn viel und er antwortet zügig. Auch am nächsten Tag, wo ich ihm zu verstehen gebe, dass er noch eine Chance bekommt. Auch am drauf folgenden Tag schreiben wir alle paar Minuten, was möglich ist, weil ich gerade am Flughafen sitze und alleine bin. Meine Freunde haben nämlich bereits eingecheckt und sind auf dem Weg in meine alte Heimat. Da ich aber in meine Neue fliege, bin ich alleine.

 

Ich habe Mr Hachsoschön beauftragt, mich zu unterhalten und das macht er. Ich schaffe es nicht eine der 13 Folgen zu schauen, die ich mir extra auf mein iPad geladen habe und plötzlich sind die sechs Stunden Wartezeit vorbei und ich sehe auf der Anzeigetafel, dass mein Flug Verspätung hat. Oh mist.

Der Flug geht sowieso schon am späten Abend und ich habe genau 30 Minuten Zeit, um den letzten Flughafen Shuttle zu erwischen. Danach heißt es entweder ein sehr, sehr teures Taxi nehmen oder eine Stunde warten, um dann 90 Minuten mit dem Zug und der Straßenbahn durch die Gegend zu tuckern.

„Ich hätte gerade voll Lust, dich vom Flughafen abzuholen und dich dann zu lecken“, erscheint plötzlich auf meinem Display, während ich aufstehe, um mich an der Schlange anzustellen, um meinen Koffer einzuchecken. Ich fange sofort an zu grinsen. Das wäre ideal!

Aber ich habe meine Tage und eine Blasenentzündung (Dixi Toiletten auf dem Festival sei Dank) und sein Plan würde nicht aufgehen.

„Wie ärgerlich“, antwortet er, als ich ihm das Problem mitteile.

„Ja, total“, schreibe ich und schicke noch hinterher, dass das wirklich meine Rettung wäre, weil ich sonst wahrscheinlich Stunden brauchen würde, um nach Hause zu kommen. Und dass man ja auch sicherlich etwas anderes machen könnte.

„Wann bist du denn planmäßig da?“, fragt er.

„Nach 0 Uhr …“, schreibe ich und denke, dass er das doch eh nicht machen würde. An einem Samstagabend. Wieso auch? Ich weiß, dass er sich momentan mit einigen Frauen trifft und es an Angeboten nicht mangelt. Wieso sollte er dann für mich stundenlang durch die Nacht fahren?

„Mhh…das ist nicht früh. Wann genau?“

„Um 0.10 Uhr“

„Ach, das geht ja noch. Wenn du pünktlich bist und keine Stunden Verspätung hast, hole ich dich gerne ab.“

Meint er das ernst? Wir haben uns zwei Mal getroffen und ja okay … über Jahre hinweg immer mal wieder recht ausführlich geschrieben. Aber das war es eigentlich auch schon. Wieso sollte er mich abholen kommen? Also außer, dass für ihn ein ganz besonderes Dankeschön rausspringen würde, was er aber auch so an einem anderen Tag bekommen hätte.

Ich wollte dem ganzen nicht so recht trauen und schreibe noch eine Freundin an, mit der ich am nächsten Morgen verabredet bin. Aber die scheint von der Idee noch mal nach draußen zu müssen, nicht so angetan zu sein.

 

Inzwischen habe ich den Security-Check passiert und kämpfe mich durch den riesigen Dutyfree-Bereich und widerstehe dem super günstigen Alkohol (denn ich trinke jetzt erstmal eh nichts mehr). Ich bleibe sogar beim Make-Up stehen und schaue mir das Puder an, denn ich bin bereits seit über 12 Stunden unterwegs und glänze im Gesicht. Schließlich sind es auf Mallorca 30 Grad. Und wenn ich tatsächlich abgeholt werden sollte, will ich zumindest einigermaßen frisch aussehen. Ich bin froh, dass ich nicht wie die anderen bis 4 Uhr Party gemacht und nur 3 Stunden Schlaf bekommen habe, sondern den Ballermann blöd fand und bereits um 20 Uhr nach Hause gefahren bin. So schaffe ich es zumindest, einigermaßen klar durch das Gewusel am Flughafen zu kommen, während ich zwischendurch immer wieder auf mein Handy starre.

Ich suche die Anzeigetafel und stelle fest, dass es noch nicht mal ein Gate gibt, zu dem ich jetzt laufen könnte, weil die Maschine noch nicht da ist.  Also setze ich mich und checke schon mal die Taxipreise. Puh … fast so viel wie unser Mietwagen für eine Woche gekostet hat.

Ich erfahre, dass der Flug ca. eine halbe Stunde Verspätung haben wird und teile es Mr Hachsoschön mit.

„0.45 Uhr wäre auch noch in Ordnung“, schreibt er und ich atme erleichtert auf. Erstmal. Denn ich glaube noch immer nicht, dass er später auch wirklich am Terminal steht und mache mich auf 90 Minuten Bahnfahrt bereit.

 

Das Gate wird verkündet, ich nehme Platz ich starre nervös auf mein Handy.

„Und woher weiß ich, dass du später auch wirklich da bist?“, frage ich. Schließlich ist mein Handy gleich erstmal aus und wenn ich mich drauf verlasse, versuche ich natürlich nicht mehr noch den Bus zu bekommen und wenn er nicht da sein sollte, steh ich da doof rum.

„Schreib mir sofort, wenn du landest. Dann sollte ich pünktlich da sein, wenn du mit dem Koffer draußen bist.“

Und dann nennt er mir noch das Auto, was er fährt. Aber das bringt mir doch eh nichts, wenn da noch hunderte weitere Autos stehen.

Inzwischen ist es 22 Uhr. Das Gate sollte um 21.20 Uhr schließen, der Flieger um 21.50 Uhr starten, aber das Boarding hat noch nicht mal angefangen. Ich sehe schwarz, für eine pünktliche Ankunft in meinem Bett.

Dann kommt aber endlich die Durchsage und wir starten mit einer Verspätung von ca. 40 Minuten, machen während des Fluges aber wieder ein paar Minuten wett. Ich schaffe drei Folgen Grey’s Anatomy, während die Oma neben mir mit offenem Mund schläft und wir kommen mit 20 Minuten Verspätung an. Sobald wir die Rollbahn betreten, schicke ich eine Nachricht an Mr Hachsoschön, der sofort bestätigt, dass er nun losfährt. Keine zehn Minuten später stehe ich am Kofferband und erblicke meinen kleinen, rosa Koffer.

„Stell dich schon mal an die Straße. Bin fast da“, schreibt er mir, aber ich muss erstmal auf Klo.

Beim Blick in den Spiegel versuche ich erstmal mein Make-Up zu retten. Der Lidschatten ist in die Lidfalte gerutscht, meine Mascara findet sich unter meinem unteren Wimpernkranz wieder. Meine Haut ist mir nicht gerade dankbar dafür, dass ich sie eine Woche lang mit dem extrem chlorhaltigen Wasser gewaschen habe und meine Haare liegen nicht und sind am Ansatz fettig. Ich hätte doch auch niemals geahnt, dass ich heute noch ein Date habe.

Ich ziehe meine Strumpfhose, die ich auf der Flughafentoilette in Palma noch schnell angezogen habe, zurecht und beschließe, dass ich die heute erst ausziehen werde, wenn ich wieder alleine bin. Ich fühle mich schmutzig und ungepflegt und ohne eine stundenlange, ausgiebige Beautybehandlung darf keiner sehen, was sich darunter befindet.

 

Nervös laufe ich durch den Ausgang und gehe zielstrebig nach draußen. Keiner zu sehen.

„Wo bist du?“, frage ich ihn und er schreibt, dass er oben auf mich wartet. Welches oben? Ich bin bisher ein Mal an diesem Flughafen angekommen und habe dort den Bus genommen, der auf der Ebene hält, wo ich jetzt stehe und den ich übrigens um knapp 5 Minuten verpasst habe. Auch ohne Toilettengang. Ich gucke mich um und sehe, dass über mir ebenfalls Autos stehen und fahre zwei Stockwerke nach oben.

„Ich stehe ganz am Anfang“, schreibt er. Schon wieder so eine Aussage, mit der ich nichts anfangen kann.

„Welcher Anfang?“, will ich wissen und schaue mich um. Ich sehe die Taxis auf der einen Seite und die normalen Autos auf der anderen. Und direkt am Anfang ein Auto, das auf die Beschreibung passt und vor dem ein sehr großer Mann mit Handy in der Hand lehnt. Ist er das etwa? Ich laufe auf ihn zu und er kommt näher. Scheinbar hat er mich auch erkannt. Er lächelt und bleibt vor mir stehen. Ja, er ist es. Puh, so gut aussehend hatte ich ihn nicht in Erinnerung. Vielleicht hätte ich doch noch meinen Glitzerhaarreifen aufsetzen sollen. Dann würde ich mich jetzt etwas glamouröser fühlen.

Erleichtert falle ich ihm um den Hals. Das hätte ich wirklich nicht gedacht. Ich habe mich schon meinen letzten Hunderter an den Taxifahrer weitergeben sehen, weil ich zu faul gewesen wäre, mit der Bahn zu fahren. Wir verstauen meinen Koffer und ich nehme vorne neben ihm Platz.

„Wie war das noch mit der Zuverlässigkeit?“, sagt er und fährt los. Ja, wie war das noch? Das hatte ich ihm nämlich vorgeworfen und damit mein Desinteresse begründet. Er schreibt mir immer wieder, nur um dann in letzter Minute wieder abzusagen. Nicht gerade das, was man unter Zuverlässigkeit versteht. Aber das wollte er wohl nicht auf sich sitzen lassen.

 

Er fährt mich nach Hause und wir plaudern ein wenig über meinen Urlaub. Als er in meine Straße fährt, bin ich unsicher, wie es jetzt weitergehen soll. Darüber haben wir nicht geschrieben, nur dass ich supermeganett sein werde, wenn ich tatsächlich den letzten Shuttle verpassen sollte und er dann mein Retter ist.

Er sieht einen Parkplatz und fährt zielstrebig darauf zu. Die sind nämlich selten in meiner Straße. Aber der ist zu klein. Nur wenige Meter weiter findet er noch einen passenden. Er steigt mit mir aus, macht mir den Kofferraum auf und ich hole mein Gepäck heraus.

„Soll ich jetzt noch mitkommen?“, fragt er, bevor ich ihn fragen kann, ob er noch mit rein kommen will.

„Wenn du magst, gerne.“

Ich habe Lust darauf, mich bei ihm erkenntlich zu zeigen und führe ihn in die Wohnung. Zum Glück habe ich vorher noch aufgeräumt und er nimmt direkt auf meinem Bett Platz, als ich Wasser hole.

„Und du hast also deine Tage?“, will er wissen und ich nicke.

„Wie schade…“

„Ja, aber du hast ja keine“, erwidere ich.

„Nee, das stimmt.“

Es ist schon spät, ich habe eine Reisetablette genommen und bin kurz davor einzuschlafen, weswegen ich ihm ziemlich deutlich zu verstehen gebe, dass er sich jetzt seine Belohnung verdient hat.

Er zieht seine Hose aus und zum Vorschein kommt sein wirklich großer, harter Schwanz. Ich lasse mir Zeit, denn er gibt mir viel Feedback, wodurch es mir erst so richtig viel Spaß macht und schaue zufrieden zu, als er kommt.

„Und Donnerstag oder Freitag hast du deine Tage also nicht mehr?“, fragt er noch mal nach. Da hatten wir nämlich eigentlich geplant uns zu treffen und ich stimme zu.

Es wird immer später und ich spüre deutlich, wie meine Lider immer schwerer werden. Ich begleite ihn noch nach draußen und wir verabschieden uns bis zum nächsten Mal und da werde ich dann ganz sicher nicht, meine Strumpfhosen anlassen.

Ein spontaner Samstag Teil 2

Er drückt mir irgendein Mischbier in die Hand. Für die Fahrt. Es ist kalt und ganz okay und soll der erste von vielen, vielen Drinks heute Abend sein. Die Fahrt dauert ca. eine halbe Stunde und wir lenken uns mit Geschichten über unsere letzten Club Besuche ab.

Wir erreichen irgendwann ein Waldgebiet und eine lange Landstraße. Er hat die Straße ins Navi eingegeben, aber nicht die Hausnummer. Ich sage „wir sind da“, weil das Navi sagt „Ziel erreicht“, aber es ist nur Wald in Sicht. Wir fahren in eine Einfahrt, damit er die Hausnummer eingeben kann und sehen durch Zufall, dass wir das Ziel tatsächlich erreicht haben. Er hat bereits vorgewarnt, dass es um die Uhrzeit sicherlich noch sehr leer sein wird, aber wir irren uns. Der Parkplatz ist voll. Sehr voll sogar. Wir sehen die ersten Gäste, ein Angestellter sagt uns, wo wir parken sollen und dann gehen wir los.

„Jetzt bin ich aufgeregt“, gesteht er mir und mir geht es ähnlich. Als wir reinkommen, erwartet uns bereits die Hausdame, wir zahlen mit dem Gutschein, sie schreibt unsere Namen auf und händigt uns einen Spindschlüssel aus. Und ein Leuchtband, damit wir sofort als Neulinge identifiziert werden können und gleich noch eine Führung bekommen.

Neugierig betreten wir den Club, der noch recht neu ist und dementsprechend aussieht. Es ist dunkel, das Licht braun-rötlich und alles wirkt schon jetzt sehr vielversprechend. Wir laufen zu den Umkleidekabinen, ziehen uns um Mr Messe ist wirklich sehr kontaktfreudig und spricht jede Person an. Wir laufen zur Bar, geben unseren Schlüssel ab und ich bestelle mir ein Glas Wein. Kaum habe ich einen Schluck getroffen, steht das erste Paar bereits hinter uns.

„Ihr wartet auch auf die Führung?“, fragen sie. Mein Bändchen hat uns verraten. Es gesellen sich noch einige dazu und auch irgendwann der Hausherr und irgendwann geht es los. Mit ca. 12 Leuten marschieren wir durch das Haus und uns wird alles sehr ausführlich gezeigt. Obwohl es in der Bar und im Speiseraum sehr voll ist, ist in den oberen Stockwerken noch gar nichts los.

Der Hausherr zeigt uns jedes einzelne Zimmer und erklärt, was wir zu beachten haben. Er ist sehr ausführlich, was ich bisher noch nie erlebt habe. Eine Führung in anderen Clubs sah eher so aus: „Hier Bar, da Dusche, da Wiese, da draußen. Viel Spaß!“

Dabei können wir einen Blick auf die anderen Gäste erhaschen, die alle angenehm jung sind. Die Stimmung ebenfalls und es ist alles sehr locker. Hin und wieder fallen mal ein paar interessierte Blicke, aber kein Starren wie ich es aus den anderen Clubs mit deutlichem Herrenüberschuss kenne.

 

Die Führung ist vorbei und wir essen erstmal was. Da ich den Wein bereits merke, ist das auch wirklich notwendig. Dabei kommen wir wieder mit den nächsten Gästen ins Gespräch und Mr Messe will alle „schocken“ und erzählt jedem, dass wir uns erst heute kennen gelernt haben. Schockiert tatsächlich eher die wenigsten. Wir laufen zurück zur Bar, ich bestelle mir den nächsten Wein und weil der so kalt und es überall so warm ist, trinke ich den recht zügig. Dabei bemerken wir eine Frau, die alleine an der Bar steht. Mr Messe quatscht sie an, will wissen, wieso sie ganz alleine da ist.

„Ich warte auf ein befreundetes Paar, was mich dann mitnimmt oder auf ein Paar, was mich kennen lernen möchte. Wollt ihr ein Paar sein, was mich kennen lernen will?“ Mr Messe will sie aber erstmal schocken. So schockiert ist sie wieder nicht, aber wir kommen ins Gespräch und beschließen, nachdem ich mein nächstes, extravolles Weinglas, ausgetrunken habe, mal ein wenig herum zu schauen.

Zu dritt laufen wir nach oben, sie läuft hinter mir, bis sie mich stoppt und sagt „ich muss kurz was gucken“. Sie greift mir an den Po, weil der Body nach oben gerutscht ist und die Hälfte raus guckt. „Mhh ja. Fühlt sich gut an.“ Wir laufen weiter und wieder bleibt sie stehen. „Ich muss kurz was ausprobieren.“ Dieses Mal nimmt sie mein Gesicht in ihre Hände, um mich zu küssen. „Mhh … das ist auch gut.“ Sagt sie und wir gucken Mr Messe an, der teilnahmslos daneben steht. „Macht ruhig weiter! Lasst euch nicht von mir stören!“, sagt er, aber wir laufen die Treppen weiter nach oben, denn ich muss unbedingt auf Klo.

Als ich wieder komme, kann ich sie nicht direkt finden und schaue in den Raum neben mir. Ich sehe, wie ein Mann gegen die Wand gelehnt steht und eine Frau vor ihm auf dem Boden kniet. Ehe ich erkennen kann, wer da neben mir hockt, streckt er seine Hand nach mir aus, um mich zu küssen. Es ist Mr Messe. Ich fange an, beide zu streicheln, bevor sie aufhört und wieder nach oben kommt, um mich zu küssen.

Es ist richtig entspannt, dass wir keine 100 Beobachter um uns herum haben und eigentlich kaum einer mitbekommt, was wir da gerade treiben. In anderen Clubs hätten sich bereits 20 Männer um uns versammelt und darauf gehofft, dass sie auch bald an der Reihe sind.

Trotzdem wird es etwas unbequem an der Wand und wir laufen in den nächsten Raum, der aber komplett leer ist. Wir beschließen noch etwas trinken zu gehen und darauf zu hoffen, dass gleich mehr los ist…

Ein spontaner Samstag Teil 1

„Wäre es okay für dich, wenn wir den Film morgen gucken?“ Mit dem Satz fing alles an. Ich saß mit meiner Mitbewohnerin Freitagabend beim Sushi und für mich war es nicht okay. Im Gegensatz zu mir ist sie nämlich eine totale Langweilerin. Ihr Freitagabend besteht aus Essen gehen und dann ins Bett. Alleine. Ich hätte nie ja dazu gesagt, wenn sie mir nur das vorgeschlagen hätte. Daher wollten wir das verbinden. Mit Kino. Spätvorstellung des Films „Yesterday“. Das kann man mal an einem Freitagabend machen. Aber sie war müde. Ich bin Freitagabends auch immer müde. Aber dann reiß ich mich zusammen. Sag entweder nicht zu oder rechtzeitig ab. Schließlich könnte sich der andere dann noch eine andere Beschäftigung suchen. Ich in dem Fall nicht. Daher war das nicht okay. Ich jammere, sage, dass ich dann wem anders zugesagt hätte und sie sagt „ja, gut. Aber dann halt mich wach und kneif mich, wenn ich einschlafen sollte.“

Ist nicht passiert, denn der Film war witzig und sie die Lauteste und Wacheste im ganzen Saal.

 

Und weil wir schon am Freitag gegangen sind, war mein Samstag wieder unverplant. Eigentlich wollte ich mit meiner anderen Mitbewohnerin feiern gehen. Uneigentlich steckte sie in der Heimat auf irgendeinem Geburtstag fest. Aber das wusste ich schon. Ich plante trotzdem nichts. Wusste, dass ich mir das freihalten sollte, auch wenn nicht genau, wieso.

Für den Samstagnachmittag war ich dann verabredet. Irgendwer suchte am Vortag nach einer weiblichen Begleitung für eine Erotikmesse. Ich bekundete Interesse, wir wechselten zu Kik und tauschten weitere Details aus. Ich war jetzt nicht unbedingt supermegaoberbegeistert von ihm und als ich Samstagmorgen verschlafen im Bett lag und überlegte, ob ich bei dem Wetter nicht lieber Schwimmen gehen sollte oder doch zur Messe, war ich sehr sehr unentschlossen. Vielleicht wird das ja ganz cool. Vielleicht wird das auch total blöd. Aber dann wäre ich ja schnell wieder Zuhause. Vielleicht hatte er das aber auch schon wieder vergessen?

Ich schreibe ihm und nein. Das steht noch unbedingt. Gut, da kann ich ja nicht absagen. Ich habe noch ein paar Stunden Zeit und will die sinnvoll nutzen. Putzen und Aufräumen. Und dabei entdecke ich, dass die Kleiderstange im meinem Schrank unter dem enormen Gewicht meiner Kleider mal wieder zusammen gebrochen ist. Hmm … eigentlich muss ich jetzt zu Ikea. Kann ich ja unmöglich so lange liegen lassen. Ich schreibe Freunde an, ob wer zufällig hinfahren will, aber nein. Dass eine andere Freundin zufällig in dem Augenblick da war, habe ich erst im Nachhinein erfahren, aber egal.

Ich informiere mich, ob es auch ohne Ikea geht und ja. Der Baumarkt hat auch so was. Der Baumarkt liegt aber etwas außerhalb und ich bräuchte mindestens eine Stunde dafür Zeit. Also schreibe ich Mr Messe an, ob es auch später geht. „Nicht viel, sonst lohnt sich das ja nicht mehr.“ Mhh…okay. Ich befrage google, ob es in der Nähe davon noch einen Baumarkt gibt und ja. Gibt es.

Ich ziehe mich an, entscheide mich für irgendein schwarzes Kleid und Sneaker und laufe los. Es ist heiß, die Sonne knallt und der Weg von der Bahn zum Baumarkt im Industriegebiet ist lang. Ich finde das Teil aber, nehme sogar eins aus Metall, was hoffentlich etwas länger hält und schaue auf mein Handy, als ich mir noch eine Flasche Wasser aus dem Kühlschrank aufs Band stelle.

„Bin jetzt unterwegs.“ Ich überlege. Ich brauche ewig wieder zurück und will nicht laufen.

„Falls du zufällig am Baumarkt vorbei kommen solltest, in dem ich gerade an der Kasse stehe, sammel mich ein!“, schreibe ich. Er fragt nach meiner Nummer, ich schicke ihm einen Live-Standort und er antwortet „bleib genau da stehen. Bin in 3 min. da.“

Tatsächlich befindet er sich in dem Augenblick nur eine Parallelstraße weiter.

 

Ich bin schon ein Stückchen gelaufen und stehe jetzt an der Straße vor irgendeinem Reifenladen. Dann klingelt mein Handy.

„Ich stehe an der Ecke. Graues Auto.“

„Hier stehen viele graue Autos.“

„Aber es gibt nur eins, wo der Fahrer dir winkt!“

Ich sehe ihn, er steigt aus und rennt auf mich zu.

Mr Messe ist ein sehr offener, kommunikativer Typ. Wie ein typischer Rheinländer, nur dass er kein Rheinländer ist. Wir fahren los, plaudern ein bisschen und kommen an der Messe an. Er bezahlt, wir gehen rein und … sind enttäuscht. Es ist winzig. Wirklich winzig. Vielleicht 20 Stände und das war es. Wir drehen eine Runde und er bleibt überall stehen und will sich alles angucken. Plaudert mit den Menschen am Stand, nimmt alles in die Hand und ist sehr interessiert. Wir werden natürlich automatisch als Paar gehalten und bekommen überall die Paarangebote in die Hand gedrückt. Irgendwann gehen wir etwas trinken und ich erfahre, was er beruflich macht und dass er erst vor kurzem in die Stadt gekommen ist und niemanden kennt. Danach besuchen wir die letzten Stände und der allerletzte ist der von dem Swingerclub in der Nähe.

„Ich will mit der Frau reden und sie Sachen fragen!“, sagt er und wir warten, dass das andere Paar fertig ist. Sie fragt uns, ob wir den Club kennen, erzählt uns ein wenig und will ihn uns unbedingt schmackhaft machen. Er ist neugierig, stellt viele, viele Fragen und am Ende fragt sie uns, ob wir nicht mal vorbeikommen wollen. Heute zum Beispiel. Wir gucken uns fragend an und zucken mit den Schultern.

„Wenn ihr mal vorbeikommen wollt, habe ich hier einen Gutschein für heute Abend. Oder für jeden anderen Samstag in den nächsten 12 Monaten.“ Sie drückt uns das kleine Kärtchen in die Hand. „Ihr habt damit komplett freien Eintritt. Sonst kostet das knapp 100€.“ Mr Messe strahlt und nickt, als sie uns noch einen Sekt anbietet. Wir ziehen uns zurück und machen für die nächsten zwei Platz.

„Willst du da mit mir hingehen?“

„Wann? Heute Abend?“

„Ja, oder an irgendeinem anderen Samstag. Also den Gutschein haben wir ja bekommen. Den würde ich nur mit dir einlösen. Also nur, wenn du willst natürlich. Wenn wir jetzt nach Hause fahren, uns schnell umziehen und dann gegen 20 Uhr los fahren, würde das doch passen. Und selbst, wenn da nichts läuft, wäre das ja egal. Wir essen und trinken was und schauen uns ein wenig um und das war es. Ich fahre auch!“

Ich überlege. Der kostenlose Eintritt lockt mich nicht wirklich. Als Frau bekommt man häufig mal das Angebot, dass der Mann einen mit in den Swingerclub nimmt und alles übernehmen will, weil er mit Frau immer noch weniger bezahlt als ohne. Oder weil er ohne Frau gar nicht erst reinkommt. Wie in diesen Club, denn dort sind nur Paare oder Single-Frauen erlaubt. Ich überlege weiter. Mr Messe ist bereits in ein paar Clubs gewesen. Wie ich. Außerdem ist das Motto interessant. Keine Personen über 40. Nur jüngere Besucher. Ich bin für heute Abend eigentlich locker verabredet. Aber es wäre kein Problem das auch auf den Sonntag zu legen. Eigentlich wäre das eh viel besser.

„Also gut. Ja. Wenn wir das nicht heute machen, dann machen wir das nie“, sage ich bestimmt und er guckt mich und dann seine Uhr überrascht an. „Okay, cool, ja!“

 

Wir gehen und er fährt mich noch nach Hause.

„Also in einer Stunde hier?“, fragt er noch mal und ich werde immer unsicherer. „Ja!“, antworte ich und steige aus.

Ich habe mir bereits ein Outfit überlegt und lege alles sorgfältig auf mein frisch bezogenes Bett. Der Kleiderschrank ist immer noch kaputt, weswegen ich nur an die Sachen in meiner Kiste für Unterwäsche komme, die nur selten zum Einsatz kommt. Wie der spitzenbesetzte Body, den ich herauskrame. Die Strümpfe und Strapse sind unter Kleidern begraben und ich habe keine Zeit, um danach zu wühlen. Also ohne. Aber Highheels finde ich und einen Spitzen besetzten Kimono. Ich ziehe alles an, laufe ein paar Schritte in der Wohnung und hoffe, dass ich den Abend auf den Schuhen überleben werde. Ich ziehe wieder alles aus und suche ein Kleid, was ich mir schnell überwerfen kann. Muss ja keiner wissen, wo ich gleich hinfahren werde. Mr Messe schickt mir derweil Fotos von seinem Outfit. Sehr unspektakulär. Die richtigen Sachen sind noch woanders.

Da ich jetzt so gestresst bin, weil ich meine Haare noch machen muss, kann ich mir gar nicht mehr überlegen, ob ich wirklich mit will. Aber jetzt kann ich eh nicht mehr absagen. Wäre ja blöd. Daher schnappe ich mir meine Tasche und springe in sein Auto, als er mir 15min. später schreibt, dass er nun da ist …