Kik wird abgeschaltet?

Die Nachricht, dass der Messenger Kik abgeschafft wurde, hat Jodel ziemlich schnell erreicht und Panik verbreitet. Jodel ohne Kik? Was? Nach was sollen die Geier denn jetzt fragen und auf welche anonyme Plattform soll man jetzt wechseln? Instagram? Nee, nicht anonym genug. Snapchat? Wer hat das heutzutage noch. Telegram? Möglich, aber auch eher blöd. Die Panikmache war da und plötzlich erhielt ich Nachrichten von Leuten, von denen ich seit Wochen oder Monaten nichts mehr gehört habe.

Wie Mr Massage. Der mich beim letzten Mal schon wieder versetzt hatte. Ohne ein Wort zu sagen. Und dann tauchte er unter. Für vier Wochen. Er schrieb und statt ihn zu ignorieren oder seine Nachricht zu blocken, hörte ich mir an, was er zu sagen hatte. Bzw. las es.

Er wollte es wieder gut machen. Unbedingt. Das kann doch so nicht auseinander gehen. Er will nicht, dass ich ihn für immer hasse und so im Gedächtnis behalte. Was er anstellen will, um mich wieder zu besänftigen? Er kommt vorbei und gibt mir eine Massage. Schließlich kann er das ja so gut. Und dann will er anderes machen, was er auch sehr gut an.

Ich lachte, dachte mir „ja klar. Passiert eh nicht“, doch er wollte nicht locker lassen. Ich verriet ihm, dass ich am nächsten Morgen Zuhause sei und dass er sich doch melden soll, wenn er sein Versprechen über Nacht nicht wieder vergessen hat.

Als ich mit meiner Müslischale und meinem Kaffee am Esstisch saß, erreichte mich dann tatsächlich eine Nachricht von ihm.

„Hast du gut geschlafen?“

„Klar“, antwortete ich knapp.

„Und wie sieht es aus?“

„Ich muss erst frühstücken. Und dann duschen. Um 11 Uhr kannst du herkommen“, tippte ich ins Handy und rechnete damit, dass er plötzlich wieder offline ging und sich nie wieder meldete.

Aber es kam nicht so.

„Okay. Bis gleich“, tauchte auf meinem Display auf und danach ein „wird etwas später“, als ich kurz vor 11 aus der Dusche stieg. Ich zog mich an, machte mich für den Tag fertig und schaute auf die Uhr. 11.30 Uhr. Wann sollte denn dieses später sein?

Gerade als ich mich dazu durchgerungen hatte, ihn zu fragen, wann er denn hier sein wollte, tauchte ein „bin da“ auf. Ich schaute aus dem Fenster und konnte ihn über die Straße laufen sehen. Mit einer Cappie und Rucksack. Passte gar nicht zu seinen spießigen Ralph Lauren Klamotten, die er sonst immer trug.

Ich machte die Tür auf und schüchtern schaute er mich an, bevor er mich dann umarmte und mir in die Wohnung hinterher trottete.

Er legte seine Sachen ab und setzte sich sofort auf mein Bett, bevor er anfing, sich wieder zu erklären und zu entschuldigen.

„Und wieso hast du mir jetzt geschrieben?“, wollte ich noch mal wissen.

„Ich habe das Gerücht um Kik gehört und dann habe ich ein schlechtes Gewissen bekommen. Du solltest mich nicht so in Erinnerung behalten. Ich bin eigentlich echt nicht so.“ Glaubte ich zwar nicht so recht, aber jetzt war er ja da. Wir plauderten weiter, bis er mich fragte, ob ich jetzt meine Massage einfordern will. Und ich wollte.

Ich zog mich aus, dieses Mal komplett und legte mich auf mein Bett. Er kletterte neben mich, verteilte das Öl auf meinem Rücken und fing an. Dieses Mal hatte ich nicht meine Tage, weswegen er sich vielleicht 15 Minuten mit meinem Rücken beschäftigte und seine Finger dann zwischen meinen Beinen hatte.

„Willst du dich mal umdrehen?“

Ich drehte mich um, er rutschte runter zu meinen und dann zwischen meine Beine und fing an mich zu lecken. Und oh mein Gott. Wieso habe ich nicht früher gewusst, dass er das SO gut kann? Vielleicht lag es an der Massage, dass ich eh schon total entspannt war, vielleicht auch daran, dass er es einfach wirklich super mega obergut konnte, aber ich kam innerhalb kürzester Zeit und zwar heftig.

Ich drückte seinen Kopf nach oben, woraufhin er über mich kletterte, um mich zu küssen. Währenddessen griff ich nach seinem harten Schwanz und fing an ihn zu massieren. Er war groß und hart und dick und ich wollte ihn nur zu gern in mir spüren, weswegen ich nach den Kondomen griff und ihm eins reichte.

Es war keiner in der WG, aber das Fenster war auf und ich denke, dass mich die Nachbarn daher hören konnten, denn es war gut und hart und anstrengend und befriedigend und mir tat alles weh, als ich von ihm runter kletterte, nachdem auch er gekommen war.

Er musste noch zum Arzt und ich hatte ebenfalls Termine, die sich nie verschieben ließen, weswegen ich ihn kurze Zeit später mit zittrigen Knie wieder aus der Wohnung ließ. Mein Hals tat weh, überall waren Knutschflecken und auf mein Brustbein sollte sich in den nächsten Tagen besser auch keiner mehr abstützen. Aber das war es wert.

„Vielleicht hört man ja noch mal was voneinander, wenn kik nicht abgeschaltet wird.“

Wer weiß. Wenn nicht, wäre es auch nicht schlimm. Man soll schließlich aufhören, wenn es am schönsten ist oder nicht? Und jetzt zeigt der letzte Kik-Chat von uns zumindest ein lachendes Smiley und kein wütendes „war so klar, du Arsch!“.

Wie war das mit der Zuverlässigkeit?

„Na, alles klar bei dir?“, leuchtet plötzlich eine Nachricht in meinem Postfach auf. Es ist Mr Hachsoschön, der sich alle paar Monate meldet, in der Hoffnung, dass ich ihm doch noch eine Chance gebe. Aber die hat er sich in der Vergangenheit immer selbst verbaut, weil er eigentlich immer nur so lange meine Aufmerksamkeit will, bis ich ihm die Bestätigung gebe, dass ich ihn will. Und dann verschwindet er und kommt Monate später wieder an. Das geht jetzt seit Jahren so, aber aus irgendeinem Grund habe ich das Gefühl, dass es dieses Mal anders ist. Außerdem liege ich gerade in meinem Turmzimmer auf Mallorca und bin hellwach, weil ich Panoramafenster habe und mir die Sonne ins Gesicht scheint. Um 8 Uhr morgens. Was nicht schlimm ist, denn ich bin ausgeschlafen und beim Anblick des blauen Himmels bin ich gut gelaunt, aber keiner der anderen ist wach, also hänge ich am Handy. Und da ist nun mal die Nachricht von Mr Hachsoschön. Ich antworte und wir schreiben fast den ganzen Tag miteinander. Ich gebe mich interessiert und frage ihn viel und er antwortet zügig. Auch am nächsten Tag, wo ich ihm zu verstehen gebe, dass er noch eine Chance bekommt. Auch am drauf folgenden Tag schreiben wir alle paar Minuten, was möglich ist, weil ich gerade am Flughafen sitze und alleine bin. Meine Freunde haben nämlich bereits eingecheckt und sind auf dem Weg in meine alte Heimat. Da ich aber in meine Neue fliege, bin ich alleine.

 

Ich habe Mr Hachsoschön beauftragt, mich zu unterhalten und das macht er. Ich schaffe es nicht eine der 13 Folgen zu schauen, die ich mir extra auf mein iPad geladen habe und plötzlich sind die sechs Stunden Wartezeit vorbei und ich sehe auf der Anzeigetafel, dass mein Flug Verspätung hat. Oh mist.

Der Flug geht sowieso schon am späten Abend und ich habe genau 30 Minuten Zeit, um den letzten Flughafen Shuttle zu erwischen. Danach heißt es entweder ein sehr, sehr teures Taxi nehmen oder eine Stunde warten, um dann 90 Minuten mit dem Zug und der Straßenbahn durch die Gegend zu tuckern.

„Ich hätte gerade voll Lust, dich vom Flughafen abzuholen und dich dann zu lecken“, erscheint plötzlich auf meinem Display, während ich aufstehe, um mich an der Schlange anzustellen, um meinen Koffer einzuchecken. Ich fange sofort an zu grinsen. Das wäre ideal!

Aber ich habe meine Tage und eine Blasenentzündung (Dixi Toiletten auf dem Festival sei Dank) und sein Plan würde nicht aufgehen.

„Wie ärgerlich“, antwortet er, als ich ihm das Problem mitteile.

„Ja, total“, schreibe ich und schicke noch hinterher, dass das wirklich meine Rettung wäre, weil ich sonst wahrscheinlich Stunden brauchen würde, um nach Hause zu kommen. Und dass man ja auch sicherlich etwas anderes machen könnte.

„Wann bist du denn planmäßig da?“, fragt er.

„Nach 0 Uhr …“, schreibe ich und denke, dass er das doch eh nicht machen würde. An einem Samstagabend. Wieso auch? Ich weiß, dass er sich momentan mit einigen Frauen trifft und es an Angeboten nicht mangelt. Wieso sollte er dann für mich stundenlang durch die Nacht fahren?

„Mhh…das ist nicht früh. Wann genau?“

„Um 0.10 Uhr“

„Ach, das geht ja noch. Wenn du pünktlich bist und keine Stunden Verspätung hast, hole ich dich gerne ab.“

Meint er das ernst? Wir haben uns zwei Mal getroffen und ja okay … über Jahre hinweg immer mal wieder recht ausführlich geschrieben. Aber das war es eigentlich auch schon. Wieso sollte er mich abholen kommen? Also außer, dass für ihn ein ganz besonderes Dankeschön rausspringen würde, was er aber auch so an einem anderen Tag bekommen hätte.

Ich wollte dem ganzen nicht so recht trauen und schreibe noch eine Freundin an, mit der ich am nächsten Morgen verabredet bin. Aber die scheint von der Idee noch mal nach draußen zu müssen, nicht so angetan zu sein.

 

Inzwischen habe ich den Security-Check passiert und kämpfe mich durch den riesigen Dutyfree-Bereich und widerstehe dem super günstigen Alkohol (denn ich trinke jetzt erstmal eh nichts mehr). Ich bleibe sogar beim Make-Up stehen und schaue mir das Puder an, denn ich bin bereits seit über 12 Stunden unterwegs und glänze im Gesicht. Schließlich sind es auf Mallorca 30 Grad. Und wenn ich tatsächlich abgeholt werden sollte, will ich zumindest einigermaßen frisch aussehen. Ich bin froh, dass ich nicht wie die anderen bis 4 Uhr Party gemacht und nur 3 Stunden Schlaf bekommen habe, sondern den Ballermann blöd fand und bereits um 20 Uhr nach Hause gefahren bin. So schaffe ich es zumindest, einigermaßen klar durch das Gewusel am Flughafen zu kommen, während ich zwischendurch immer wieder auf mein Handy starre.

Ich suche die Anzeigetafel und stelle fest, dass es noch nicht mal ein Gate gibt, zu dem ich jetzt laufen könnte, weil die Maschine noch nicht da ist.  Also setze ich mich und checke schon mal die Taxipreise. Puh … fast so viel wie unser Mietwagen für eine Woche gekostet hat.

Ich erfahre, dass der Flug ca. eine halbe Stunde Verspätung haben wird und teile es Mr Hachsoschön mit.

„0.45 Uhr wäre auch noch in Ordnung“, schreibt er und ich atme erleichtert auf. Erstmal. Denn ich glaube noch immer nicht, dass er später auch wirklich am Terminal steht und mache mich auf 90 Minuten Bahnfahrt bereit.

 

Das Gate wird verkündet, ich nehme Platz ich starre nervös auf mein Handy.

„Und woher weiß ich, dass du später auch wirklich da bist?“, frage ich. Schließlich ist mein Handy gleich erstmal aus und wenn ich mich drauf verlasse, versuche ich natürlich nicht mehr noch den Bus zu bekommen und wenn er nicht da sein sollte, steh ich da doof rum.

„Schreib mir sofort, wenn du landest. Dann sollte ich pünktlich da sein, wenn du mit dem Koffer draußen bist.“

Und dann nennt er mir noch das Auto, was er fährt. Aber das bringt mir doch eh nichts, wenn da noch hunderte weitere Autos stehen.

Inzwischen ist es 22 Uhr. Das Gate sollte um 21.20 Uhr schließen, der Flieger um 21.50 Uhr starten, aber das Boarding hat noch nicht mal angefangen. Ich sehe schwarz, für eine pünktliche Ankunft in meinem Bett.

Dann kommt aber endlich die Durchsage und wir starten mit einer Verspätung von ca. 40 Minuten, machen während des Fluges aber wieder ein paar Minuten wett. Ich schaffe drei Folgen Grey’s Anatomy, während die Oma neben mir mit offenem Mund schläft und wir kommen mit 20 Minuten Verspätung an. Sobald wir die Rollbahn betreten, schicke ich eine Nachricht an Mr Hachsoschön, der sofort bestätigt, dass er nun losfährt. Keine zehn Minuten später stehe ich am Kofferband und erblicke meinen kleinen, rosa Koffer.

„Stell dich schon mal an die Straße. Bin fast da“, schreibt er mir, aber ich muss erstmal auf Klo.

Beim Blick in den Spiegel versuche ich erstmal mein Make-Up zu retten. Der Lidschatten ist in die Lidfalte gerutscht, meine Mascara findet sich unter meinem unteren Wimpernkranz wieder. Meine Haut ist mir nicht gerade dankbar dafür, dass ich sie eine Woche lang mit dem extrem chlorhaltigen Wasser gewaschen habe und meine Haare liegen nicht und sind am Ansatz fettig. Ich hätte doch auch niemals geahnt, dass ich heute noch ein Date habe.

Ich ziehe meine Strumpfhose, die ich auf der Flughafentoilette in Palma noch schnell angezogen habe, zurecht und beschließe, dass ich die heute erst ausziehen werde, wenn ich wieder alleine bin. Ich fühle mich schmutzig und ungepflegt und ohne eine stundenlange, ausgiebige Beautybehandlung darf keiner sehen, was sich darunter befindet.

 

Nervös laufe ich durch den Ausgang und gehe zielstrebig nach draußen. Keiner zu sehen.

„Wo bist du?“, frage ich ihn und er schreibt, dass er oben auf mich wartet. Welches oben? Ich bin bisher ein Mal an diesem Flughafen angekommen und habe dort den Bus genommen, der auf der Ebene hält, wo ich jetzt stehe und den ich übrigens um knapp 5 Minuten verpasst habe. Auch ohne Toilettengang. Ich gucke mich um und sehe, dass über mir ebenfalls Autos stehen und fahre zwei Stockwerke nach oben.

„Ich stehe ganz am Anfang“, schreibt er. Schon wieder so eine Aussage, mit der ich nichts anfangen kann.

„Welcher Anfang?“, will ich wissen und schaue mich um. Ich sehe die Taxis auf der einen Seite und die normalen Autos auf der anderen. Und direkt am Anfang ein Auto, das auf die Beschreibung passt und vor dem ein sehr großer Mann mit Handy in der Hand lehnt. Ist er das etwa? Ich laufe auf ihn zu und er kommt näher. Scheinbar hat er mich auch erkannt. Er lächelt und bleibt vor mir stehen. Ja, er ist es. Puh, so gut aussehend hatte ich ihn nicht in Erinnerung. Vielleicht hätte ich doch noch meinen Glitzerhaarreifen aufsetzen sollen. Dann würde ich mich jetzt etwas glamouröser fühlen.

Erleichtert falle ich ihm um den Hals. Das hätte ich wirklich nicht gedacht. Ich habe mich schon meinen letzten Hunderter an den Taxifahrer weitergeben sehen, weil ich zu faul gewesen wäre, mit der Bahn zu fahren. Wir verstauen meinen Koffer und ich nehme vorne neben ihm Platz.

„Wie war das noch mit der Zuverlässigkeit?“, sagt er und fährt los. Ja, wie war das noch? Das hatte ich ihm nämlich vorgeworfen und damit mein Desinteresse begründet. Er schreibt mir immer wieder, nur um dann in letzter Minute wieder abzusagen. Nicht gerade das, was man unter Zuverlässigkeit versteht. Aber das wollte er wohl nicht auf sich sitzen lassen.

 

Er fährt mich nach Hause und wir plaudern ein wenig über meinen Urlaub. Als er in meine Straße fährt, bin ich unsicher, wie es jetzt weitergehen soll. Darüber haben wir nicht geschrieben, nur dass ich supermeganett sein werde, wenn ich tatsächlich den letzten Shuttle verpassen sollte und er dann mein Retter ist.

Er sieht einen Parkplatz und fährt zielstrebig darauf zu. Die sind nämlich selten in meiner Straße. Aber der ist zu klein. Nur wenige Meter weiter findet er noch einen passenden. Er steigt mit mir aus, macht mir den Kofferraum auf und ich hole mein Gepäck heraus.

„Soll ich jetzt noch mitkommen?“, fragt er, bevor ich ihn fragen kann, ob er noch mit rein kommen will.

„Wenn du magst, gerne.“

Ich habe Lust darauf, mich bei ihm erkenntlich zu zeigen und führe ihn in die Wohnung. Zum Glück habe ich vorher noch aufgeräumt und er nimmt direkt auf meinem Bett Platz, als ich Wasser hole.

„Und du hast also deine Tage?“, will er wissen und ich nicke.

„Wie schade…“

„Ja, aber du hast ja keine“, erwidere ich.

„Nee, das stimmt.“

Es ist schon spät, ich habe eine Reisetablette genommen und bin kurz davor einzuschlafen, weswegen ich ihm ziemlich deutlich zu verstehen gebe, dass er sich jetzt seine Belohnung verdient hat.

Er zieht seine Hose aus und zum Vorschein kommt sein wirklich großer, harter Schwanz. Ich lasse mir Zeit, denn er gibt mir viel Feedback, wodurch es mir erst so richtig viel Spaß macht und schaue zufrieden zu, als er kommt.

„Und Donnerstag oder Freitag hast du deine Tage also nicht mehr?“, fragt er noch mal nach. Da hatten wir nämlich eigentlich geplant uns zu treffen und ich stimme zu.

Es wird immer später und ich spüre deutlich, wie meine Lider immer schwerer werden. Ich begleite ihn noch nach draußen und wir verabschieden uns bis zum nächsten Mal und da werde ich dann ganz sicher nicht, meine Strumpfhosen anlassen.

Ein spontaner Samstag Teil 2

Er drückt mir irgendein Mischbier in die Hand. Für die Fahrt. Es ist kalt und ganz okay und soll der erste von vielen, vielen Drinks heute Abend sein. Die Fahrt dauert ca. eine halbe Stunde und wir lenken uns mit Geschichten über unsere letzten Club Besuche ab.

Wir erreichen irgendwann ein Waldgebiet und eine lange Landstraße. Er hat die Straße ins Navi eingegeben, aber nicht die Hausnummer. Ich sage „wir sind da“, weil das Navi sagt „Ziel erreicht“, aber es ist nur Wald in Sicht. Wir fahren in eine Einfahrt, damit er die Hausnummer eingeben kann und sehen durch Zufall, dass wir das Ziel tatsächlich erreicht haben. Er hat bereits vorgewarnt, dass es um die Uhrzeit sicherlich noch sehr leer sein wird, aber wir irren uns. Der Parkplatz ist voll. Sehr voll sogar. Wir sehen die ersten Gäste, ein Angestellter sagt uns, wo wir parken sollen und dann gehen wir los.

„Jetzt bin ich aufgeregt“, gesteht er mir und mir geht es ähnlich. Als wir reinkommen, erwartet uns bereits die Hausdame, wir zahlen mit dem Gutschein, sie schreibt unsere Namen auf und händigt uns einen Spindschlüssel aus. Und ein Leuchtband, damit wir sofort als Neulinge identifiziert werden können und gleich noch eine Führung bekommen.

Neugierig betreten wir den Club, der noch recht neu ist und dementsprechend aussieht. Es ist dunkel, das Licht braun-rötlich und alles wirkt schon jetzt sehr vielversprechend. Wir laufen zu den Umkleidekabinen, ziehen uns um Mr Messe ist wirklich sehr kontaktfreudig und spricht jede Person an. Wir laufen zur Bar, geben unseren Schlüssel ab und ich bestelle mir ein Glas Wein. Kaum habe ich einen Schluck getroffen, steht das erste Paar bereits hinter uns.

„Ihr wartet auch auf die Führung?“, fragen sie. Mein Bändchen hat uns verraten. Es gesellen sich noch einige dazu und auch irgendwann der Hausherr und irgendwann geht es los. Mit ca. 12 Leuten marschieren wir durch das Haus und uns wird alles sehr ausführlich gezeigt. Obwohl es in der Bar und im Speiseraum sehr voll ist, ist in den oberen Stockwerken noch gar nichts los.

Der Hausherr zeigt uns jedes einzelne Zimmer und erklärt, was wir zu beachten haben. Er ist sehr ausführlich, was ich bisher noch nie erlebt habe. Eine Führung in anderen Clubs sah eher so aus: „Hier Bar, da Dusche, da Wiese, da draußen. Viel Spaß!“

Dabei können wir einen Blick auf die anderen Gäste erhaschen, die alle angenehm jung sind. Die Stimmung ebenfalls und es ist alles sehr locker. Hin und wieder fallen mal ein paar interessierte Blicke, aber kein Starren wie ich es aus den anderen Clubs mit deutlichem Herrenüberschuss kenne.

 

Die Führung ist vorbei und wir essen erstmal was. Da ich den Wein bereits merke, ist das auch wirklich notwendig. Dabei kommen wir wieder mit den nächsten Gästen ins Gespräch und Mr Messe will alle „schocken“ und erzählt jedem, dass wir uns erst heute kennen gelernt haben. Schockiert tatsächlich eher die wenigsten. Wir laufen zurück zur Bar, ich bestelle mir den nächsten Wein und weil der so kalt und es überall so warm ist, trinke ich den recht zügig. Dabei bemerken wir eine Frau, die alleine an der Bar steht. Mr Messe quatscht sie an, will wissen, wieso sie ganz alleine da ist.

„Ich warte auf ein befreundetes Paar, was mich dann mitnimmt oder auf ein Paar, was mich kennen lernen möchte. Wollt ihr ein Paar sein, was mich kennen lernen will?“ Mr Messe will sie aber erstmal schocken. So schockiert ist sie wieder nicht, aber wir kommen ins Gespräch und beschließen, nachdem ich mein nächstes, extravolles Weinglas, ausgetrunken habe, mal ein wenig herum zu schauen.

Zu dritt laufen wir nach oben, sie läuft hinter mir, bis sie mich stoppt und sagt „ich muss kurz was gucken“. Sie greift mir an den Po, weil der Body nach oben gerutscht ist und die Hälfte raus guckt. „Mhh ja. Fühlt sich gut an.“ Wir laufen weiter und wieder bleibt sie stehen. „Ich muss kurz was ausprobieren.“ Dieses Mal nimmt sie mein Gesicht in ihre Hände, um mich zu küssen. „Mhh … das ist auch gut.“ Sagt sie und wir gucken Mr Messe an, der teilnahmslos daneben steht. „Macht ruhig weiter! Lasst euch nicht von mir stören!“, sagt er, aber wir laufen die Treppen weiter nach oben, denn ich muss unbedingt auf Klo.

Als ich wieder komme, kann ich sie nicht direkt finden und schaue in den Raum neben mir. Ich sehe, wie ein Mann gegen die Wand gelehnt steht und eine Frau vor ihm auf dem Boden kniet. Ehe ich erkennen kann, wer da neben mir hockt, streckt er seine Hand nach mir aus, um mich zu küssen. Es ist Mr Messe. Ich fange an, beide zu streicheln, bevor sie aufhört und wieder nach oben kommt, um mich zu küssen.

Es ist richtig entspannt, dass wir keine 100 Beobachter um uns herum haben und eigentlich kaum einer mitbekommt, was wir da gerade treiben. In anderen Clubs hätten sich bereits 20 Männer um uns versammelt und darauf gehofft, dass sie auch bald an der Reihe sind.

Trotzdem wird es etwas unbequem an der Wand und wir laufen in den nächsten Raum, der aber komplett leer ist. Wir beschließen noch etwas trinken zu gehen und darauf zu hoffen, dass gleich mehr los ist…

Ein spontaner Samstag Teil 1

„Wäre es okay für dich, wenn wir den Film morgen gucken?“ Mit dem Satz fing alles an. Ich saß mit meiner Mitbewohnerin Freitagabend beim Sushi und für mich war es nicht okay. Im Gegensatz zu mir ist sie nämlich eine totale Langweilerin. Ihr Freitagabend besteht aus Essen gehen und dann ins Bett. Alleine. Ich hätte nie ja dazu gesagt, wenn sie mir nur das vorgeschlagen hätte. Daher wollten wir das verbinden. Mit Kino. Spätvorstellung des Films „Yesterday“. Das kann man mal an einem Freitagabend machen. Aber sie war müde. Ich bin Freitagabends auch immer müde. Aber dann reiß ich mich zusammen. Sag entweder nicht zu oder rechtzeitig ab. Schließlich könnte sich der andere dann noch eine andere Beschäftigung suchen. Ich in dem Fall nicht. Daher war das nicht okay. Ich jammere, sage, dass ich dann wem anders zugesagt hätte und sie sagt „ja, gut. Aber dann halt mich wach und kneif mich, wenn ich einschlafen sollte.“

Ist nicht passiert, denn der Film war witzig und sie die Lauteste und Wacheste im ganzen Saal.

 

Und weil wir schon am Freitag gegangen sind, war mein Samstag wieder unverplant. Eigentlich wollte ich mit meiner anderen Mitbewohnerin feiern gehen. Uneigentlich steckte sie in der Heimat auf irgendeinem Geburtstag fest. Aber das wusste ich schon. Ich plante trotzdem nichts. Wusste, dass ich mir das freihalten sollte, auch wenn nicht genau, wieso.

Für den Samstagnachmittag war ich dann verabredet. Irgendwer suchte am Vortag nach einer weiblichen Begleitung für eine Erotikmesse. Ich bekundete Interesse, wir wechselten zu Kik und tauschten weitere Details aus. Ich war jetzt nicht unbedingt supermegaoberbegeistert von ihm und als ich Samstagmorgen verschlafen im Bett lag und überlegte, ob ich bei dem Wetter nicht lieber Schwimmen gehen sollte oder doch zur Messe, war ich sehr sehr unentschlossen. Vielleicht wird das ja ganz cool. Vielleicht wird das auch total blöd. Aber dann wäre ich ja schnell wieder Zuhause. Vielleicht hatte er das aber auch schon wieder vergessen?

Ich schreibe ihm und nein. Das steht noch unbedingt. Gut, da kann ich ja nicht absagen. Ich habe noch ein paar Stunden Zeit und will die sinnvoll nutzen. Putzen und Aufräumen. Und dabei entdecke ich, dass die Kleiderstange im meinem Schrank unter dem enormen Gewicht meiner Kleider mal wieder zusammen gebrochen ist. Hmm … eigentlich muss ich jetzt zu Ikea. Kann ich ja unmöglich so lange liegen lassen. Ich schreibe Freunde an, ob wer zufällig hinfahren will, aber nein. Dass eine andere Freundin zufällig in dem Augenblick da war, habe ich erst im Nachhinein erfahren, aber egal.

Ich informiere mich, ob es auch ohne Ikea geht und ja. Der Baumarkt hat auch so was. Der Baumarkt liegt aber etwas außerhalb und ich bräuchte mindestens eine Stunde dafür Zeit. Also schreibe ich Mr Messe an, ob es auch später geht. „Nicht viel, sonst lohnt sich das ja nicht mehr.“ Mhh…okay. Ich befrage google, ob es in der Nähe davon noch einen Baumarkt gibt und ja. Gibt es.

Ich ziehe mich an, entscheide mich für irgendein schwarzes Kleid und Sneaker und laufe los. Es ist heiß, die Sonne knallt und der Weg von der Bahn zum Baumarkt im Industriegebiet ist lang. Ich finde das Teil aber, nehme sogar eins aus Metall, was hoffentlich etwas länger hält und schaue auf mein Handy, als ich mir noch eine Flasche Wasser aus dem Kühlschrank aufs Band stelle.

„Bin jetzt unterwegs.“ Ich überlege. Ich brauche ewig wieder zurück und will nicht laufen.

„Falls du zufällig am Baumarkt vorbei kommen solltest, in dem ich gerade an der Kasse stehe, sammel mich ein!“, schreibe ich. Er fragt nach meiner Nummer, ich schicke ihm einen Live-Standort und er antwortet „bleib genau da stehen. Bin in 3 min. da.“

Tatsächlich befindet er sich in dem Augenblick nur eine Parallelstraße weiter.

 

Ich bin schon ein Stückchen gelaufen und stehe jetzt an der Straße vor irgendeinem Reifenladen. Dann klingelt mein Handy.

„Ich stehe an der Ecke. Graues Auto.“

„Hier stehen viele graue Autos.“

„Aber es gibt nur eins, wo der Fahrer dir winkt!“

Ich sehe ihn, er steigt aus und rennt auf mich zu.

Mr Messe ist ein sehr offener, kommunikativer Typ. Wie ein typischer Rheinländer, nur dass er kein Rheinländer ist. Wir fahren los, plaudern ein bisschen und kommen an der Messe an. Er bezahlt, wir gehen rein und … sind enttäuscht. Es ist winzig. Wirklich winzig. Vielleicht 20 Stände und das war es. Wir drehen eine Runde und er bleibt überall stehen und will sich alles angucken. Plaudert mit den Menschen am Stand, nimmt alles in die Hand und ist sehr interessiert. Wir werden natürlich automatisch als Paar gehalten und bekommen überall die Paarangebote in die Hand gedrückt. Irgendwann gehen wir etwas trinken und ich erfahre, was er beruflich macht und dass er erst vor kurzem in die Stadt gekommen ist und niemanden kennt. Danach besuchen wir die letzten Stände und der allerletzte ist der von dem Swingerclub in der Nähe.

„Ich will mit der Frau reden und sie Sachen fragen!“, sagt er und wir warten, dass das andere Paar fertig ist. Sie fragt uns, ob wir den Club kennen, erzählt uns ein wenig und will ihn uns unbedingt schmackhaft machen. Er ist neugierig, stellt viele, viele Fragen und am Ende fragt sie uns, ob wir nicht mal vorbeikommen wollen. Heute zum Beispiel. Wir gucken uns fragend an und zucken mit den Schultern.

„Wenn ihr mal vorbeikommen wollt, habe ich hier einen Gutschein für heute Abend. Oder für jeden anderen Samstag in den nächsten 12 Monaten.“ Sie drückt uns das kleine Kärtchen in die Hand. „Ihr habt damit komplett freien Eintritt. Sonst kostet das knapp 100€.“ Mr Messe strahlt und nickt, als sie uns noch einen Sekt anbietet. Wir ziehen uns zurück und machen für die nächsten zwei Platz.

„Willst du da mit mir hingehen?“

„Wann? Heute Abend?“

„Ja, oder an irgendeinem anderen Samstag. Also den Gutschein haben wir ja bekommen. Den würde ich nur mit dir einlösen. Also nur, wenn du willst natürlich. Wenn wir jetzt nach Hause fahren, uns schnell umziehen und dann gegen 20 Uhr los fahren, würde das doch passen. Und selbst, wenn da nichts läuft, wäre das ja egal. Wir essen und trinken was und schauen uns ein wenig um und das war es. Ich fahre auch!“

Ich überlege. Der kostenlose Eintritt lockt mich nicht wirklich. Als Frau bekommt man häufig mal das Angebot, dass der Mann einen mit in den Swingerclub nimmt und alles übernehmen will, weil er mit Frau immer noch weniger bezahlt als ohne. Oder weil er ohne Frau gar nicht erst reinkommt. Wie in diesen Club, denn dort sind nur Paare oder Single-Frauen erlaubt. Ich überlege weiter. Mr Messe ist bereits in ein paar Clubs gewesen. Wie ich. Außerdem ist das Motto interessant. Keine Personen über 40. Nur jüngere Besucher. Ich bin für heute Abend eigentlich locker verabredet. Aber es wäre kein Problem das auch auf den Sonntag zu legen. Eigentlich wäre das eh viel besser.

„Also gut. Ja. Wenn wir das nicht heute machen, dann machen wir das nie“, sage ich bestimmt und er guckt mich und dann seine Uhr überrascht an. „Okay, cool, ja!“

 

Wir gehen und er fährt mich noch nach Hause.

„Also in einer Stunde hier?“, fragt er noch mal und ich werde immer unsicherer. „Ja!“, antworte ich und steige aus.

Ich habe mir bereits ein Outfit überlegt und lege alles sorgfältig auf mein frisch bezogenes Bett. Der Kleiderschrank ist immer noch kaputt, weswegen ich nur an die Sachen in meiner Kiste für Unterwäsche komme, die nur selten zum Einsatz kommt. Wie der spitzenbesetzte Body, den ich herauskrame. Die Strümpfe und Strapse sind unter Kleidern begraben und ich habe keine Zeit, um danach zu wühlen. Also ohne. Aber Highheels finde ich und einen Spitzen besetzten Kimono. Ich ziehe alles an, laufe ein paar Schritte in der Wohnung und hoffe, dass ich den Abend auf den Schuhen überleben werde. Ich ziehe wieder alles aus und suche ein Kleid, was ich mir schnell überwerfen kann. Muss ja keiner wissen, wo ich gleich hinfahren werde. Mr Messe schickt mir derweil Fotos von seinem Outfit. Sehr unspektakulär. Die richtigen Sachen sind noch woanders.

Da ich jetzt so gestresst bin, weil ich meine Haare noch machen muss, kann ich mir gar nicht mehr überlegen, ob ich wirklich mit will. Aber jetzt kann ich eh nicht mehr absagen. Wäre ja blöd. Daher schnappe ich mir meine Tasche und springe in sein Auto, als er mir 15min. später schreibt, dass er nun da ist …

 

Ein Kaffee in der Mittagspause

Vor gefühlt 100 Jahren war ich auf irgendeiner Plattform unterwegs, weil ich davon in irgendeinem Blog gelesen habe. Ich habe mir also irgendein Profil gemacht und irgendein Bild hochgeladen. Als Frau wurde man damals mit Nachrichten zugebombt. Wirklich. Bestimmt 300 erreichten mich am ersten Abend. Also total überfordernd und irgendwann habe ich mich abgemeldet. Aber mit irgendwem habe ich den Kik-Namen ausgetauscht.

Seitdem sind, wie gesagt, bestimmt 100 Jahre vergangen und ich habe den Kik Account sicherlich 20 Mal gewechselt, bin aber irgendwann bei meinem allerersten Account hängen geblieben. Nur um zu gucken, wer noch so geschrieben hat oder auch nicht.

Irgendwann behielt ich den Account dann für immer. Allein schon, weil Kik ja recht blöd ist, was das ausloggen betrifft, denn dann sind immer direkt alle Chat-Verläufe weg und das hat mich immer genervt. Jedes Mal von neuem „Hä? Wer bist du? Wieso schreibst du mir?“

Also behielt ich nur noch den einen Account, änderte irgendwann mal mein Bild von „du siehst hier nichts als Wolken und Himmel“ zu „du siehst da ein Stück von meinem Bein“ und „wenn du dich anstrengst, kannst du sogar mein Gesicht erkennen. Und meine Brüste“.

Und einige sprangen auf dieses „oha, ich sehe, dass sie weiblich ist“-Bild an und schrieben mir.

Darunter auch hmm … nennen wir ihn Mr. Dom. Denn irgendwie so nannte er sich. Bei ihm dachte ich mir immer eine Mischung aus „boah, was für ein arroganter Kotzbrocken“ und „gar nicht mal so uninteressant.“

Er schrieb mich an. Ich antwortete. Manchmal ausführlich, manchmal weniger. Je nachdem, wie viel Zeit ich gerade für ihn aufwenden wollte. Er schrieb aber konsequent jeden Tag und war irgendwann gar nicht mehr so ein arroganter Kotzbrocken. Vielleicht auch, weil ich ihm recht schnell deutlich machte, dass mich sein Dom Gehabe ziemlich abturnt und er damit bei mir an der falschen Stelle ist.

„Kein Problem. Muss ja nicht sein!“ Ich hatte das anders in Erinnerung, aber das war ja auch schon mindestens 100 Jahre her.

 

Wir tauschten Bilder aus, er machte mir Komplimente und schrieb, dass er gerade in meiner Stadt ist. Beruflich. Und ob ich nicht mal eben eine Mittagspause einlegen könnte, um mich mit ihm auf einen Kaffee zu treffen. Konnte ich nicht. Nicht sofort. Aber vielleicht später.

Er schrieb weiter und ich hatte keine Lust mehr zu arbeiten und konnte tatsächlich eine Pause vertragen. Also verabredeten wir uns auf einen Kaffee in meiner Nähe.

„Ist das kalt draußen? Muss ich eine Strumpfhose anziehen?“, schrieb ich ihm.

„Mhh…sie wird also einen Rock anziehen? Ich finds warm. Du brauchst keine Strumpfhose. Aber ich werde dann wahrscheinlich die ganze Zeit auf deine Beine starren.“

Sind rasiert. Und braun. Kein Problem also. Aber dieses „sie wird also“ nervte mich ja schon. Ich sitze am anderen Ende des Handys. Da muss man nicht von mir in der 3. Person sprechen. Und das hat er wirklich oft gemacht.

 

Ich ziehe mich also an und laufe los. Er ist bereits da.

„Ich habe noch meine Arbeitssachen an. Hoffe, das stört dich nicht.“

„Was denn?“

„Hemd, Jackett, Jeans und schicke Schuhe.“ Wen würde das denn stören? Wäre er im stinkenden und verdreckten Blaumann angekommen, hätte ich „ja, alter ih!“ geschrieben. Aber doch nicht bei so etwas. Ich laufe die Straße entlang und er hat mir vorher noch mitgeteilt, dass er bereits an der Ecke auf mich warten würde. Ich schaue von meinem Handy auf und sehe einen großen Mann Mitte 30 in schicken Klamotten dort stehen. Puh … irgendwie hatte ich mir den unattraktiver vorgestellt. Schlagartig werde ich nervös.

„Hallo!“, sagt er grinsend, breitet seine Arme aus, hält mich an der Schulter fest und gibt mir ein Küsschen links und rechts. Er riecht auch noch gut und ich bin ganz froh, dass ich mir doch noch die zehn Minuten Zeit für meine Haare genommen habe.

Wir laufen zu dem Café, er rückt mir den Stuhl zurecht und ist wirklich super freundlich. Er kann nicht auf meine Beine starren, weil die unter dem Tisch sind, aber ich spüre, wie er mir hinterher schaut, als ich aufstehe, um auf die Toilette zu gehen.

Irgendwann haben wir den Kaffee ausgetrunken und auch die Cola danach und er schaut nervös auf die Uhr. Er hat nur eine Stunde Zeit und muss dann weiter. Die Stunde ist fast vorbei.

„Wollen wir noch eine Runde gehen?“, fragt er und winkt gleichzeitig die Kellnerin heran.

Ich bejahe, wir stehen auf und ich führe uns durch irgendwelche Seitenstraße zu der Tiefgarage, in der sein Auto steht.

„Die Frauen am Nebentisch müssen ja nicht alles mitbekommen, was wir so zu erzählen haben“, sagt er und starrt weiterhin auf meine Beine.

„Außerdem musste ich mich schon richtig zusammenreißen, um nicht einfach unter den Tisch zu greifen und unter deinen Rock zu fassen. Ich mag deinen Rock.“

„Weil der durch den nächsten Windstoß einfach hochgeweht werden könnte?“

„Ach, kann er das?“

Und dann ist es tatsächlich windig und ich muss ihn festhalten, damit er nicht hochweht. Richtig typisch.

„Wie schade, dass wir auf so einer viel befahrenen Straße sind. Sonst würden meine Hände jetzt unter deinen Rock wandern.“ Ich lache nur. „Würdest du das zulassen?“ Ich überlege. Eigentlich nicht. Eigentlich aber auch schon. Ich gebe nur noch vage Antworten auf seine Fragen. Sage nur noch „vielleicht“, weil ich hin und her gerissen bin.

Wir kommen an der Tiefgarage an.

„Ich kann dich auch nach Hause fahren“, bietet er mir an. Ich wohne ca. 10 Minuten zu Fuß entfernt und muss noch einkaufen. Also verneine ich. „Begleitest du mich dann zu meinem Auto?“ Ich nicke und folge ihm.

Wir stehen vor seinem Auto, er zieht sein Jackett aus und legt es auf die Rückbank. Ich bleibe neben dem Auto stehen und frage mich, ob jetzt noch etwas passieren wird. Ich hoffe es irgendwie.

Er krempelt seine Ärmel hoch und stellt sich dann direkt vor mich.

„Jetzt kann ich mich aber nicht mehr zurückhalten“, sagt er, packt mich, dreht mich um und drückt mich dann gegen das Auto oder einen der Pfeiler. Er küsst mich so plötzlich, dass mir kurz der Atem wegbleibt und mir die Knie weich werden. Ich gucke mich um, ob irgendwer zu sehen ist, aber es ist keiner da.

„Ich habe alles im Blick, keine Sorge“, sagt er dann und ich halte mich an seinen Armen fest. Seinen starken Armen. Puh … Habe ich schon erwähnt, dass ich eine schwäche für starke Arme habe?

Seine Hände wandern unter meinen Rock, greifen nach meinem Arsch und an den Saum meines Slips.

„Mhh … sie ist ja schon ganz nass“, sagt er und schlägt vor, dass wir auf die Rückbank seines Autos gehen. Ich steige ein, er schließt die Tür und läuft auf die andere Seite, um ebenfalls einzusteigen. Die hinteren Fenster sind verdunkelt, so dass man von außen wenig sehen kann. Außer, jemand würde direkt von vorne reinschauen.

Er sitzt neben mir, legt den einen Arm um meine Schulter und mit der anderen schiebt er meine Beine auseinander. Ich laufe bereits aus, was er freudig kommentiert. „Sie läuft ja bereits aus. Es scheint es zu mögen.“

Wer war jetzt es? Ich erinnere mich schlagartig an meine damalige Chefin, die, wann immer sie einen Fehler gemacht hat, gesagt hat „es hat etwas Dummes gemacht. Es sollte besser wieder ins Bett gehen.“

 

Ich bin plötzlich gar nicht mehr so geil und komme mir gerade wie eine geschlechtsneutrale Puppe vor. Trotzdem schafft er es, noch immer genau die richtigen Stellen zu treffen, bis ich zuckend und schwer atmend seine Hand wegschiebe, weil ich sonst wund werde.

Er schaut auf die Uhr und stellt besorgt fest, dass er schon vor langer Zeit hätte fahren müssen. Wir verabschieden uns und nach ein paar Stunden habe ich eine Nachricht auf dem Handy, ob wir das wiederholen sollen.

Aber ES ist sich da nicht so sicher …

Eine Massage zur Wiedergutmachung

Als vor ein paar Wochen noch 40 Grad herrschten und jeder Schritt super anstrengend war, habe ich gar nicht daran gedacht, mir mal wieder etwas Spaß zu gönnen. Aber als es dann zum ersten Mal regnete und nicht mehr aufhörte, dachte ich mir, dass es doch mal wieder an der Zeit wäre. Tinder, Joyclub und keine Ahnung was benutze ich alles nicht mehr, stattdessen habe ich Jodel bemüht. Ich habe einen recht eindeutigen Jodel geschrieben, wo ich nur nach großen, sportlichen und jüngeren Männern gesucht habe, die Interesse hätten. Der Jodel hielt sich gerade mal eine Nacht, aber das war okay. Denn ich fand wen.

Wir schrieben, tauschten Fotos aus und ich wusste „der soll es sein!“. Es war aber schon spät in der Nacht und wir wollten was für die nächsten Tage ausmachen, aber ich hatte nur seinen Kik Namen und aus irgendeinem Grund hat er die Einstellung, dass er sich automatisch ausloggt, wenn sein Handy in Standby-Modus geht, um Akku zu sparen. Also konnte ich ihn nicht erreichen, dachte, dass er mich blockiert hatte und war schon ganz traurig. Denn guten Ersatz, der so vielversprechend war, fand ich irgendwie nicht.

Das nächste Wochenende kam und ich war schon recht verplant. Aber er meldete sich wieder und wir wollten uns treffen. Irgendwo würde ich ihn schon dazwischen quetschen können. Freitagabend war ich mit einer Freundin verabredet und es gab Tapas. Ich schrieb ihm, dass wir uns danach treffen könnten, wenn es ihm noch passt. Schließlich wollte ich meine Pläne nicht über den Haufen werfen und mich auch nicht hetzen lassen.

Die Aioli und der Wein flossen in Strömen und nachher auch der Regen und ich war eigentlich ganz froh, dass ich nicht noch einen Liter Milch trinken musste, um den Knoblauchgeruch los zu werden. Denn er meldete sich nicht mehr bzw. ich konnte ihn nicht erreichen. Aber das war in Ordnung, denn ich wollte nur noch schlafen.

Dann also Samstag. Ich war mit Freunden beim Baseball und wir saßen sehr nah an den Spielern, die sich gerade aufwärmten. All die starken Arme, die den Schläger schwangen, machten mich schon ganz wuschig und ich schrieb die ganze Zeit mit ihm hin und her. Abends war ich noch zum Essen verabredet, um 21 Uhr wollten wir was in der Stadt trinken gehen. Um 19 Uhr erreichte ihn meine Nachricht nicht mehr und er meldete sich nicht. Sein Handy loggte ihn wieder aus.

Dieses Mal machte mir das etwas aus. Jetzt war ich sauer. Ich lief nach Hause, versuchte mir noch eine Beschäftigung für den Abend zu suchen, aber natürlich waren alle verplant.

 

Am nächsten Tag meldete er sich. Entschuldigte sich 1000 Mal. Sein Akku war leer und keiner hatte ein Ladekabel. Ich schrieb ihm, dass er mir eine andere Kontaktmöglichkeit geben soll als seinen bekloppten Kik-Account, aber er hatte zu große Angst, dass ich eine Stalkerin war, die ihn dann alle 5 Minuten anrufen würde. Ich erklärte ihn für bescheuert und schloss das Ganze ab.

Bis Mittwoch. Eine Alternative fand sich immer noch nicht und ich gab die Suche erstmal auf, weil ich meine Tage hatte. Aber dann schrieb er wieder. Entschuldigte sich noch einmal und dass das ja so schade wäre, wenn er das nicht wieder gutmachen könnte. Ich ließ ihn reden. Es würde ja sowieso nicht klappen. Doch, doch. Er würde jetzt sofort vorbei kommen und mich massieren. Ich schrieb ihm, dass er sich davon nichts erhoffen soll, weil ich gerade eh … außer Gefecht bin.

„Ich will dir nur etwas Gutes tun. Ich bin normalerweise nicht so und will das nicht auf mir sitzen lassen. Ich massiere wirklich sehr gut.“ Eine Massage war tatsächlich genau das, was ich gerade wollte. Gleichzeitig dachte ich aber nicht daran, dass er tatsächlich kommen würde.

Ich nannte ihm trotzdem einen Treffpunkt, von dem aus ich ihn vom Fenster aus sehen konnte und wartete ab. Er ging duschen und meldete sich 20 Minuten später, dass er nun losfährt. Mit dem Fahrrad, weil sein Auto gerade kaputt ist. Ob ich sein Rad vielleicht irgendwo unterbringen könnte, weil er das Schloss nicht findet. Klar. Kein Problem. Sollte er denn überhaupt auftauchen.

Aber dann fuhr er los und ich räumte vorsichtshalber noch etwas auf, setzte mich dann aber wieder an den Schreibtisch.

„Noch 5 Minuten“, tauchte plötzlich in einer Nachricht auf und vielleicht meinte er es doch ernst. Ich stieg noch mal schnell unter die Dusche und suchte das Massageöl heraus. Wenn er jetzt nicht kommt, war ich zumindest schon mal fertig, um gleich einkaufen zu gehen. Das wollte ich eh noch machen.

„Bin jetzt da“, schrieb er zehn Minuten später und ich schaute aus dem Fenster. Keiner zu sehen.

„Wo?“ „Neben dem Schild“ „Was für ein Schild?“ „Anwohnerparken“ Das Schild kenne ich nicht. „Neben dem roten Mini“. Den Mini kenne ich. Der stand da immer. Ich schlüpfte in meine Schuhe, suchte meinen Schlüssel und wagte mich nach draußen. Tatsächlich stand da ein ca. 1,90m großer, dunkelhaariger Typ Mitte 20 mit Fahrrad.

 

Ich lief auf ihn zu und er grinste mich an. „Hättest du nicht gedacht oder?!“, sagte er und umarmte mich zur Begrüßung. Er sah gut aus. Richtig gut. Genau wie auf den Fotos, an dessen Echtheit ich tatsächlich etwas gezweifelt hatte. Normalerweise meldeten sich nur die totalen Creeps und mich hätte es nicht gewundert, wenn vor mir ein kleiner Informatik-Nerd gestanden hätte. Vor allem, nachdem er so ein Aufsehen um seine Nummer gemacht hatte.

Ich schloss sein Fahrrad mit an meins an und führte ihn nach drinnen. Es war eigentlich nicht geplant, dass ich ihn direkt zu mir nach Hause einlade, aber ich hatte jetzt auch keine Lust, mich erst mit ihm in ein Café zu setzen. Meine Mitbewohner waren eh da. Die würden mich schon hören, wenn er versuchen würde, mich zu töten.

Ich führte ihn durch die WG in mein Zimmer und er schaute sich erstmal um, bevor er sich dann auf mein Bett setzte.

Die Stimmung war komisch, also beschloss ich das einzufordern, was er mir angeboten hatte, zog mich aus und legte mich auf mein Bett.

Und er hatte tatsächlich nicht zu viel versprochen. Er massierte gut, geduldig und lange. Bis er anfing, irgendwelche Buchstaben auf meinen Rücken zu schreiben, die mir signalisieren sollten, dass er jetzt fertig ist.

 

Er legte sich angezogen neben mich, während ich weiterhin halb nackt auf dem Bauch neben ihm liegen blieb und wir unterhielten uns. Es wäre ja komisch gewesen, wenn ich ihn nach der einstündigen Massage einfach nach Hause geschickt hätte.

Er erzählte mir, was er studierte und wie nervig sein Chef war und massierte mich dabei noch ein wenig weiter.

„Ich hätte nicht gedacht, wie hart das ist.“

„Was?“

„Na, hier neben dir zu liegen, während du halb nackt bist.“

„Vielleicht bin ich ja noch nett zu dir“, sagte ich und ließ mir weiter den Rücken kraulen bis ich mich nach einiger Zeit auf die Seite drehte, um ihn anzuschauen. Er erwidert meinen Blick, streckt seine Hand nach meinem Gesicht aus und fängt an mich zu küssen.

Es entsteht eine wilde Knutscherei, die immer zwischen zwei Leuten entsteht, die Bock aufeinander haben. Nur, dass er komplett angezogen ist und ich nicht. Aber es ist warm und wird immer heißer und irgendwann bin ich unter ihm und will gerade anfangen, seine Arme zu befummeln, bis er nach meinen Händen greift und sie mir über den Kopf festhält. Gemein!

Wir machen weiter, bis er anfängt, über meinen Slip zu streicheln, zu rubbeln und irgendwann darunter geht und mich mit seiner Hand zum Höhepunkt bringt. Ich bin so eine, die schnell wund wird, wenn man danach nicht sofort aufhört. Er ist so einer, der nicht sofort aufhört und einen immer weiter treiben will. Also öffne ich seine Hose, setze mich neben ihn und sorge dafür, dass er aufhört, weil er damit beschäftigt ist, seine Hände an seinen Kopf zu halten und zu stöhnen, wie geil das alles ist.

Ich bringe ihn zum kommen, er krault mir noch einmal eine Weile den Rücken, bis er wieder zurück nach Hause fährt.

 

Die Nachrichten kommen jetzt übrigens immer durch…

Das 5 Minuten Date

Es ist einer dieser nervigen Freitage, wo man den ganzen Tag am Schreibtisch sitzt, um noch etwas fertig zu bekommen. Ich hätte locker noch zwei bis drei Stunden länger sitzen bleiben können, habe aber noch ein Date. Ein Date, auf das ich eigentlich keine Lust habe. Ich überlege, ob ich absage, aber Freitagabend ist mies. Vor allem so eine Stunde davor. Und außerdem hat er mindestens 40 Minuten Anfahrt. Das ist ja noch mieser. Das kann man nicht machen. Also raffe ich mich auf, lasse die Arbeit liegen und bereue es, als ich mir meine Jeansjacke schnappe und nach draußen gehe, denn es ist warm und ich fange sofort an zu schwitzen.

Wir wollen uns vor dem Wahrzeichen der Stadt treffen. Sein Vorschlag. Nicht meiner. Mir ist es da immer etwas zu voll und dann steht man blöd rum, ruft 100 mal an, weil man sich nicht finden kann, aber egal. Direkt darunter befindet sich die Tiefgarage, wo er wahrscheinlich parken will.

Ich komme an und 1000 Menschen stehen davor. Ich sehe ihn nicht. Aber die Arena ist fast down, also nehme ich sie ein. In der Zwischenzeit bekomme ich eine Nachricht. Er sitzt auf der Treppe und wartet. Ich gehe hin und finde ihn nicht. Wahrscheinlich ist er schon wieder aufgestanden und sucht nach mir. Ich sag ja. Dämlicher Treffpunkt.

Dann läuft ein Mann auf mich zu und ich denke: „Bitte nicht der!“ Ich hatte zwar Fotos, aber die waren schwarz-weiß und bestimmt auch schon zehn Jahre alt. Aber Freitagabend und so. Ich hatte eh nichts Besseres zu tun. Außer arbeiten und Eis essen gehen. Also doch.

 

„Bist du Lucy?“, fragt mich der Mann und ich nicke. Und sehe nicht glücklich aus. Verdammt. Der Mann auf dem Profilbild sah ganz anders aus. Der Mann vor mir ist ein 1,80m großer Lauch und ich weiß, dass das sinnlos ist. Das wird nichts. Aber kann ich einfach sagen: „Yo! Wird nichts. Geh weg!“? Nein. Kann ich nicht. Sagt man nicht, dass man mindestens eine Kaffeelänge bleiben sollte? Das sind nur 30min. Die kann ich ja wohl aufopfern.

Also frage ich, wo wir hingehen, will sofort loslaufen. Weg von den ganzen Touris, aber er ist sehr langsam. Beim Gehen und beim Reden. Das hasse ich. Sehr. Ich bin mit den Gilmore Girls aufgewachsen. Wenn ich rede, versteht mich nicht mal meine Mutter, weil es ihr zu schnell ist. (Und weil ich nicht so schreie wie ihre Landsleute).

„Du kennst dich hier besser aus. Schlag was vor!“, sagt er und ich schlage etwas vor. Kommentiere den ganzen Weg, erzähle, wo etwas frei sein könnte und wo es voll ist. Als wir in eine Straße abbiegen, höre ich ihn ganz langsam sagen: „Ja, genau. Dann gehen wir hier am besten rein“, während ich schon halb in der Straße bin. Ich verdrehe die Augen. Das geht nicht gut aus. Er nervt mich jetzt schon und ich habe keine Lust, dass mich Menschen sehen, die mich kennen und dann stehen bleiben und fragen, wer das ist. Ich überlege fieberhaft, wie ich ihn loswerden könnte. Ich überlege mir etwas. Von wegen niemandes Zeit verschwenden usw. aber noch nicht jetzt. Gleich vielleicht.

Er sagt nichts, murmelt immer nur sehr langsam etwas vor sich her und jedes Mal will ich mir etwas gegen den Kopf schlagen, weil ich das alles so furchtbar finde.

Als wir ungefähr zwei Minuten gelaufen sind, bleibt er stehen und sagt: „Ja genau. Hier können wir langgehen und hier können wir kurz stehen bleiben.“ Ich will schreien, dass ich doch eben schon gesagt habe, dass wir hier langgehen können, aber dann spricht er weiter. Langsam.

„Wir können uns hier auch verabschieden. Ich merke, dass du nicht so begeistert bist. Du bist eben auch von mir weggegangen. Es passt nicht. So gar nicht. Und das ist auch nicht schlimm.“ Ich atme erleichtert auf. Endlich mal etwas, was mich nicht aufregt. Wir verabschieden uns, wünschen uns alles Gute und gehen in getrennte Richtungen.

Ich hole meine Mitbewohnerin Zuhause ab und wir gehen zusammen Eis essen. So war der Freitagabend nicht ganz so verschwendet. Und für das nächste Mal merke ich mir: Scheiß auf die Anstandskaffeelänge.