„die filmen euch schon!“

„Ihr Studenten macht doch eigentlich nichts anderes als zu trinken und zu feiern!“ Und um diesem Klischee gerecht zu werden, mache ich gerade tatsächlich fast nichts anderes. Zumindest am Wochenende. Liegt aber auch an meinen neuen Mitbewohnerinnen, die beide aktuell ebenfalls Single sind und am liebsten jeden Tag würden. Da wir sehr zentral wohnen, kann das Vortrinken auch schon mal ausarten, weil der nächste Club innerhalb von fünf Gehminuten erreicht ist. Wir spielten mit dem neuen Selfiestab meiner Mitbewohnerin rum und machten zahlreiche Fotos von uns. Keine 5 min. nachdem ich mein WhatsApp-Bild geändert hatte, das nun meine Mitbewohnerinnen und mich zeigte, biss auch schon der erste Typ an (dabei war das kein billiges „wir stehen alle dicht hintereinander und fotografieren uns von der Seite“-Foto, sondern ein Witziges. Ich mach immer nur witzige Gruppenfotos). Wir hatten doch nicht mal das Haus verlassen! Snowboardboy schrieb.

Snowboardboy war ja mal ganz süß, aber inzwischen nervt er mich ungefähr so sehr wie McBlond oder Mr Piercing. Wir wollten uns eigentlich am gleichen Tag mittags bei mir treffen. Er hatte eine Freistunde, seine Schule war nur 200 m entfernt, ich war allein zu Haus und wäre bereit gewesen, ihm seine Pause ein wenig zu versüßen. Zu einem Treffen kam es nicht, da sich der Gute einfach nicht mehr meldete. Pech gehabt. Und nun schrieb er, dass er sich gerade vorstellt, wie ich vor seiner Tür stehe. Wenn er nicht jedes Treffen verschieben würde, müsste er sich das nicht mehr nur noch vorstellen, aber okay. Ich bekam inzwischen keinen geraden Satz mehr hin und ließ ihn schreiben. Einen Doppelblowjob hätte er auch gerne mal. Soso. Ob ich da nicht eine kennen würde? Nein. Und meine Mitbewohnerinnen wollen auch nicht helfen. Da war er enttäuscht. Können ja nicht alle so sein wie die komischen Menschen in meinem Heimatstädtchen.

Irgendwann war es spät genug und wir liefen in die nächste Bar mit studentenfreundlichen Preisen. Für die Bar war es aber noch recht früh und somit noch sehr leer. Normalerweise muss man sich durch die Massen schieben und wird nur von der Person gesehen, an der man sich gerade vorbei geschoben hat. Und gerade herrschte ein Mangel an Frauen, so dass wir beim Reingehen von allen Seiten ehrfurchtsvoll angestarrt wurden. „Wie auf dem Präsentierteller. Wie Frischfleisch!“ meinte meine Mitbewohnerin noch. Wir bestellten das erste Getränk und verzogen uns erstmal auf ein Sofa. Das war allerdings so weich, dass wir komplett darin versanken und fürchteten direkt einzuschlafen. Also musste etwas Action her. Wir überlegten uns eine „Challenge“: Eine sucht den Typen aus, die andere eine Aufgabe und die Letzte muss es dann machen. Sehr witzig, um Leute kennen zu lernen. Unwitzig, wenn die angesprochenen Leute, an denen man eigentlich nicht interessiert ist, dann nicht mehr weggehen wollen. Und so brachte mir ein gruseliger Typ noch ein Glas Wein und ich überlegte schnell, wie ich den wieder loswerden konnte. Also drehte ich mich zur Seite und erspähte einen niedlichen Typen in Reichweite. „Hey, kannst du eben mit mir reden, damit der gruselige Typ weggeht?“ Und an das Nächste, woran ich mich erinnern kann (das Glas Wein habe ich scheinbar leer getrunken), war meine Mitbewohnerin, die sich neben mich auf das Sofa setzte und meinte: „Hey, ich find das ja gut, was ihr hier so macht, aber vielleicht solltet ihr einen Gang runterschalten. Man filmt euch schon.“ Im Nachhinein erfuhr ich dann, wie sich die zwei Filmer (laut Mitbewohnerin zwei alte und hässliche Säcke) über mich empörten und schockiert darüber waren, wie ich in einer Bar so rummachen kann. Meine Mitbewohnerinnen legten sich noch mit denen an und beleidigten die ordentlich. Was hatten die auch in einer Studentenbar zu suchen?!

Jedenfalls kletterte ich dann erstmal von meinem Aufriss runter und bemerkte, dass wir tatsächlich ein sehr prominentes Sofa erwischt hatten, das direkt am Rand im Licht und an der Treppe stand. Also schlug ich einen Ortswechsel vor. Wie praktisch, dass ich ja nur wenige hundert Meter entfernt wohne. Wie unpraktisch, dass ich gerade heute meine Tage bekommen hatte und ja eigentlich nicht konnte. Und so lief bis auf mehr Rumknutschen und ein bisschen Fummeln auch nichts und er ging wenige Stunden später wieder nach Hause.

Und sonst so? Mr Schön hat bei unserem letzten Treffen wohl gemerkt, dass es mir nicht mehr so gut gefallen hat und meldet sich (zum Glück) nicht mehr. Snowboardboy ist jetzt erstmal auf Klassenfahrt, möchte sich danach aber mit mir treffen (als ob) und das letzte Treffen mit dem unkomplizierten Peter musste ich leider absagen, weil ich nicht konnte (auch Absagen nimmt er sehr unkompliziert auf. Sehr lobenswert!).

Und weil das zuletzt alles irgendwie sehr unbefriedigend war und man doch auf Altbewährtes setzen soll, schrieb ich Mr Heiß an. Inzwischen hatte ich fast einen Monat nichts mehr von ihm gehört und zögerte auch ein wenig, weil er sonst immer nach spätestens zwei Wochen von alleine schrieb. Aber vielleicht dachte er ja, dass ich ihn schlecht finden würde, weil er bei mir immer so schnell kommt. Aber die Zweifel sollte ich jetzt beseitigt haben und wir haben ein Treffen für demnächst ausgemacht. Darauf freue ich mich ja schon.

17 Gedanken zu “„die filmen euch schon!“

  1. Überschrift und der erste Absatz hatten mich schon verleitet zu denken, dass es in eine andere Richtung gehen würde ;) Aber die alten Säcke waren sicherlich nicht als Moralpolizei da, sondern waren nur sauer, dass man sie beim filmen erwischt hat und ihre Temposchachtel wird wissen, was sie mit diesen Material vorhaben – Grauenhafte Vorstellung!

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