Nachts, wenn das Telefon klingelt

Ich hatte keine Lust mehr auf neue Typen. Der ganze Stress mit dem Kennenlernen, die Angst, dass sie mir beim ersten Treffen doch nicht gefallen könnten und einen Abend zu verschwenden. Also scrollte ich meine WhatsApp-Liste durch und überlegte wem ich schreiben könnte. Hmm…Mr Heiß war 400 km weg, um an einem Seminar teilzunehmen, um noch heißer zu werden (okay jaja, es war ein Uniprojekt). Auf den unkomplizierten Peter hatte ich irgendwie keine Lust mehr und der attraktive 40er hatte gerade seine Tochter zu Besuch. Aber dann war da ja noch Mr Ewan McGregor. Ich „durfte“ mich bei ihm melden, wenn ich wollte. Aha. Also schrieb ich ihm und er wollte „zum Wochenende“ telefonieren. Was heißt das? Würde er irgendwann anrufen? Bekomme ich eine Warnung per WhatsApp? Ich habe doch mein Handy so gut wie immer auf lautlos, weil es dank unzähligen WhatsApp Nachrichten alle paar Minuten piepen würde. Der Anruf kam nicht, es vergingen Wochen und auf Anraten eines Bekannten schrieb ich ihm irgendwann wieder, denn ich wollte wissen, ob er auch nüchtern so gut aussieht. Ich saß abends mit einem Glas Wein im Bett, hatte mein Handy in der Hand und erblickte plötzlich den Namen „Ewan McGregor“ (ja, ich habe ihn tatsächlich unter diesem bzw. unter dem Namen des anderen Schauspielers eingespeichert) auf dem Display. OMG! Ich bekam kurz Panik, überlegte es klingeln zu lassen und ging dann doch ran.

Hatte ich erwähnt, dass er Anwalt ist und dementsprechend wahnsinnig viel reden muss? Und das kann er gut. Und viel. Und lang. Er erzählte mir, was er in den letzten Wochen trieb und kam dann auf das kommende Wochenende zu sprechen. Er schilderte mir ganz genau, was er an welchem Tag machen würde und erwähnte dann, dass er Samstagabend Zeit hätte. Wie praktisch! Die einzige Zeit in der ich tatsächlich noch nichts geplant hatte. Also verabredeten wir uns und er wollte mich am nächsten Tag noch mal anrufen, um weitere Details zu besprechen.

Ich war am nächsten Abend noch unterwegs und bemerkte nicht, dass er anrief. Als ich dann endlich wieder Zuhause war, war es schon relativ spät. Konnte man da noch anrufen? Ich wäre genervt, wenn man mich ohne Vorwarnung um die Zeit anrufen würde. Also schrieb ich ihm eine Nachricht und nur wenig später rief er zurück. „Das mit morgen klappt bei mir zeitlich leider nicht.“ Buuuh! „Aber ich hab mir überlegt, dass wenn du noch Lust hast, ich ja bei dir vorbeikommen kann. Oder du kommst zu mir und wir machen noch einen Wein auf.“ Er war noch in einer anderen Stadt. Es war schon spät. Allerdings hatte ich mich eh noch nicht abgeschminkt, war noch überhaupt nicht müde und hatte große Lust. „Okay, ich komm zu dir. Meine Mitbewohnerin ist nämlich wieder da.“ (Außerdem muss ich mir deine Wohnung angucken.) Er wollte vorher noch kurz aufräumen und würde sich melden, wenn er damit fertig war und mich dann mit dem Auto holen kommen.

Ich machte mich noch kurz frisch, zog mir ein hübsches Kleid an und suchte mir eine passende Tasche raus. Sie musste die perfekte Größe haben. Nicht zu klein, damit mein Notfallmake-up und irgendwas zum Abschminken reinpasste, aber auch nicht zu groß, als dass sie „hey, ich gehe davon aus, dass ich bei dir übernachte“ schreit. Ein peinlicher Auftritt wie Ted in HIMYM, der mit einer riesigen Übernachtungstasche auftaucht, sollte nämlich vermieden werden. Irgendwann kam dann der Anruf, dass er jetzt da sei.

Ich trat hinaus in die Nacht, konnte ihn schon auf der gegenüberliegenden Straßenseite sehen und lief zielstrebig auf sein Auto zu. Er öffnete trotzdem die Tür, um auf sich aufmerksam zu machen. Wie putzig. Auf fremde Autos zulaufen und einsteigen kann ich. Darin hab ich Übung, aber muss er ja nicht erfahren. Dank meiner hervorragenden Recherchefähigkeiten weiß ich, dass Mr Ewan McGregor erfolgreicher Anwalt ist. Ich hatte daher ein protziges Auto erwartet. Er kam aber in einem alten BMW vorgefahren, was ihn ja nur sympathischer machte.

Ich öffnete die Beifahrertür, ließ mich auf den Sitz nieder und nahm den Duft von seinem wohl riechenden Parfum wahr. Dann schaute ich ihn mir erstmal an. Ich hatte mir vorher noch sein Businessprofil angeguckt, das mit einem wirklich gelungenen Foto von ihm geschmückt war. Meine Mitbewohnerin kommentierte es mit: „OMG er ist aber sexy!“ Ja und da saß er nun neben mir, sah genauso gut aus wie in meiner Erinnerung und ich musste kurz lachen, weil er wirklich wie Ewan McGregor (und ein ganz kleines bisschen wie Mark Darcy) aussah. Vielleicht sogar besser. Er begrüßte mich mit einem Küsschen links und rechts und dann fuhren wir zu ihm.

Auf der Fahrt plauderte er genauso fröhlich wie am Telefon weiter. Er hat eine wirklich schöne und angenehme Stimme, der man gerne zuhört. Er wohnte im gleichen Stadtteil wie ich, daher war die Fahrt auch nicht sehr lang. Auch er lebte in einer diesen schicken Altbauwohnungen mit 4m hohen Wänden, altem knarzenden Parkettboden und Stuck an der Decke. Nicht so schick eingerichtet und riesig wie die Wohnung von Mr Unbekannt, aber schön war sie schon.

Er machte eine kleine Roomtour und öffnete wie selbstverständlich eine Flasche Rotwein. Rotwein und ich. Wir mögen uns nicht. Genauso wie Paprika und ich. Mir schmeckt es einfach nicht. Aber vielleicht hatte ich bisher nie einen wirklich guten Rotwein getrunken und willigte ein, den doch mal zu probieren. Und ja, der war lecker. Ich fühlte mich kurz wie Olivia Pope und sah mich von nun an Rotwein trinkend am Küchentisch sitzen.

Er machte ruhige Musik und Kerzen an. Ich hatte derweil Platz auf dem Sofa genommen. Wir bzw. er sprach über Wein, seinen Job und darüber, dass er es nicht schlimm findet, keine Kinder zu haben, da er so ein unkompliziertes Leben führen konnte. Und unkompliziert finden wir ja alle gut. Der Wein zeigte ziemlich schnell Wirkung bei mir und mein Hirn dachte nur noch: „Mir doch egal, was du erzählst. Ich lass dich eh nur reden, weil du so eine schöne Stimme hast.“ Und als es nicht mal mehr das denken konnte, rief es ununterbrochen: „Küss mich endlich!“

Und das passierte dann auch endlich nach ca. einer Stunde. Wir machten ein bisschen auf dem Sofa rum, er machte mir wieder ununterbrochen Komplimente und dann wechselten wir ins Schlafzimmer. Wir zogen uns gegenseitig aus, er löschte die Lichter und dimmte das Nachtlicht. Er hatte eins von diesen größeren Einzelbetten. Nicht 90cm breit, sondern 120cm. Er legte mich darauf und roch, nein schnüffelte erstmal überall an mir. „Du riechst so unglaublich gut. Überall!“ Ja, ich hatte mich vorher auch mit der guten lavera Coconut Dream Bodylotion eingerieben, die auf meiner Haut nach weißer Schokolade duftet. Außerdem kann ich nicht schlecht riechen, wenn ich selbst so sehr bei anderen darauf achte. Aber schön, dass er es bemerkt hatte.

Wie auch überall sonst, redete Mr Ewan McGregor im Bett fast ununterbrochen. Aber das störte mich nicht. Das waren nur schöne Sachen oder weitere zahlreiche Komplimente. Aber keins von diesen unangenehmen, sondern die, die einen grinsend ein „danke“ murmeln lassen. So bekam ich innerhalb der nächsten Stunden zu hören, dass ich nicht nur schön sei, sondern auch ästhetisch, aufregend, heiß und einen „fluffigen“ Po haben würde, der gleichzeitig auch fest war, was er schnell ergänzte, als ich irritiert guckte.

Er fing an mich zu fingern: „Das könnte ich stundenlang machen. Du fühlst dich so gut an.“ Und von mir aus hätte er das stundenlang weiter machen können, denn er wusste ganz genau, was er da tat. Das war kein lahmes Herumgestochere, sondern wirklich gut. Irgendwann nahm ich seinen Schwanz in die Hand, der schon recht hart war. Hui, war der beim letzten Mal auch schon so groß? Das hatte ich irgendwie vergessen. Wenig später lief er ewig in seiner Wohnung herum, um nach Kondomen zu suchen. Schließlich kam er frisch aus einer Beziehung und hatte die in letzter Zeit wohl nicht mehr so regelmäßig in Gebrauch. Er fand sie in seiner Aktentasche, was er mit einem beschämten „frag mich nicht, wieso ich die ausgerechnet da drin habe“ kommentierte. Aber ich wäre wohl die Letzte, die ihn das fragen würde.

Er hatte nur zwei gefunden und meinte, dass wir die aber jetzt wohl überlegt einsetzen müssten. Wie viel hatte er denn vor? Im Auto hatte er noch erzählt, dass er „schon“ um 11 Uhr bei seinem Bruder sein müsste und für seine Verhältnisse wahnsinnig früh aufstehen muss. Er drang in mich ein, stieß ein paar Mal zu und da machte es sich bemerkbar, dass er ewig keine Kondome mehr benutzt hatte, denn irgendwann ging nichts mehr. „Keine Panik, geht gleich weiter!“ Er spielte noch ein wenig an mir und sich herum und verlor dabei das kostbare Kondom, weswegen ich beschloss, ihm einen zu blasen. Achja… „wow“ war ja sein Lieblingswort. Das wiederholte er nun ständig und hörte währenddessen natürlich auch nicht auf zu reden. Nervig war es nicht, ich mache meine Sachen ja irgendwie immer noch gut, selbst wenn ich nicht wirklich konzentriert bin, aber zwischendurch musste ich doch schon mal kurz aufhören, um zu lachen. Und um zu kontrollieren, ob ihm das denn auch gefiel, denn wie bei allen übergroßen Schwänzen, konnte er nicht ununterbrochen hart bleiben. Sein abschließender „du bist eine Liebesgöttin“-Kommentar sprach aber wohl für sich.
Ich kuschelte mich an ihn heran, streichelte über seinen schönen Rücken bis er aufstand, um die Rotweingläser zu holen. Ich hatte nicht mal ausgetrunken, da fing er auch schon wieder an, an mir herumzufummeln. „Du machst mich so scharf“ ja, das merkte ich. Die nächste Runde folgte sofort, denn wir hatten ja noch ein Kondom über, das er sich auch direkt überzog, mich in die richtige Position legte und in mich eindrang. Er hatte eine unglaubliche Technik drauf und gerade als ich dachte, dass ich nun kommen würde, zog er ihn raus und meinte: „Sorry, ich dachte, dass Kondom wäre abgerutscht.“ Buuhuuu. Er fragte mich, ob ich gekommen wäre. Lügen bringt mich nicht weiter, also antwortete ich mit „nein, noch nicht“ „Na, dann müssen wir das jetzt ändern.“ Er leckte und fingerte mich und wollte, dass wir „Arbeitsteilung“ betreiben bzw. ich selbst Hand anlegte, weil er so gerne dabei zusah. Mit seiner Hilfe dauerte es auch nicht lange bis ich heftig kam. Entspannt und zufrieden beschlossen wir dann, dass wir langsam schlafen könnten. Er machte überall das Licht aus und kuschelte sich wieder an mich heran, meinte vorher aber noch, dass er sich gar nicht sicher sei, ob er neben mir überhaupt schlafen könnte. Er schlug vor, dass er mich ja eben nach Hause fahren könnte, um dann in Ruhe zu schlafen, weil sein nächster Tag anstrengend werden würde. Ich stimmte zu. Trotzdem machte keiner irgendwelche Anstalten jetzt auch wirklich aufzustehen. Also blieben wir liegen und versuchten zu schlafen.

Auch wenn ich alleine schlafe, muss ich mich mind. 5mal umdrehen bis ich endlich eine bequeme Schlafposition finde und da muss ich nur ein paar Kissen zurecht legen. Wenn ich nicht alleine schlafe, muss ich da ja irgendwie noch einen Arm und evtl. auch eine Brust mit einplanen, dementsprechend oft habe ich mich auch neben Mr Ewan McGregor umgedreht. Und jedes Mal, wenn ich mich bewegte, fing er erneut an, an mir herumzufummeln. Ja, so würde keiner von uns schlafen können. Als ich mich mal wieder umdrehte, meinen Kopf auf seinen Arm legte, fing er an mich zu küssen und tippte kurz danach das Licht wieder an. Er kniete sich vor mich, fing an mich zu fingern und genoss die Aussicht. Denn auch das sah er wahnsinnig gern. Und während ich so da lag, dachte ich: „Hmm…heute sieht er gar nicht so aus wie Ewan McGregor. Er sieht aus wie jemand, den ich öfters sehe. Vielleicht Harvey Dent vor seinem Unfall. Aber den sehe ich doch nicht oft…hmm“ Aber ich kam einfach nicht drauf. Er meinte erneut, dass es wohl besser wäre, wenn er mich jetzt Heim fährt, aber wieder bewegte sich keiner. Es war einfach zu gemütlich. Irgendwann versuchten wir erneut zu schlafen und gerade als ich endlich eingeschlafen war, merkte ich, dass er mich schon wieder befummelte „du bist einfach zu scharf.“ Wir besorgten es uns gegenseitig mit der Hand, weil alle Kondome ja bereits aufgebraucht waren, was er sehr bedauerte. Als wir fertig waren, zwitscherten nicht nur die Vögel, sondern es wurde bereits hell draußen. Und da wir beide ja jetzt eh wieder wach waren, wurde die Gelegenheit genutzt, um mich dann doch nach Hause zu fahren. Denn so würden weder er noch ich schlafen können.

Wir verabschiedeten uns bis zum nächsten Mal mit einem Kuss und ich bekam an diesem Morgen noch ganze vier Stunden Schlaf…

Als ich mich nachmittags fertig machte, entdeckte ich zahlreiche Knutschflecke auf meinem Körper und unübersehbar auch am Hals. Naja, er hatte angedeutet, dass er sich mit Ende 30 noch sehr jung fühlt, vor allem mit mir, aber 14 bin ich doch auch nicht mehr.

Tage später zeigte ich einer Freundin ein Bild von Mr Ewan McGregor, die sofort meinte: „Der sieht aus wie Jamie Lannister!“ Und ja, genau daran hatte er mich auch erinnert. Allerdings mit zwei Händen und braunen kurzen Haaren. Und jetzt werde ich nie wieder ohne zu lachen eine Folge Game of Thrones gucken können. Am besten suche ich mir als nächstes jemanden, der in der Serie bereits tot ist. Die Auswahl ist da ja relativ groß.

17 Gedanken zu “Nachts, wenn das Telefon klingelt

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s