Sollen wir nicht einfach zu mir fahren?

Nun wollte ich sie schon wieder nicht mehr. Die „gefährlichen“ ersten Dates mit Typen, die ich kaum kannte. Ich hatte ja genügend Auswahl und unternahm auch erstmal nichts, um wen kennen zu lernen. Bis mir jemand schrieb, den ich bereits vor Wochen treffen wollte, aber da hatte es nicht geklappt. Das sollte nun aber nachgeholt werden. Ich war nachmittags noch mit Freunden durch Biergärten getingelt. Wir versorgten uns am Kiosk mit eisgekühltem Bier und genossen die warmen Sonnenstrahlen. Und weil das Herumtingeln abends schon früh zu Ende war, weil die anderen Herrenbesuch erwarteten, stimmte ich spontan zu, mich mit diesem einem Typen zu treffen. Ein Bier in einem netten Biergarten am Flussufer klang ganz nett, um den schönen Tag ausklingen zu lassen. Angetüdelt zauberte ich mir noch Nudeln in der Küche, verzweifelte bei der Kleiderwahl und entschied mich am Ende doch für eine schwarze Skinny-Jeans mit einem weißen T-Shirt und einem Lederblazer.

Wir wollten uns irgendwo in der Stadt treffen. Weil er eh durch meinen Stadtteil musste, bot er an, mich abzuholen. Eigentlich wollte ich mich ja nicht mehr mit dem Auto abholen lassen, uneigentlich hören meine Finger eh nie auf mich und tippten ein „ok!“ auf sein Angebot in mein Handy.

Irgendwann tauchte die „bin da“-Nachricht auf. Ich blickte aus dem Fenster und erkannte ein schickes Auto. Das musste er sein. Ich schnappte mir meine Tasche und hatte erstmal nur Augen für das schwarze Cabrio, in das ich gleich einsteigen sollte. Nicht schlecht! Heute Mittag jammerten eine Freundin und ich noch, dass wir unbedingt Cabrio fahren wollen. Und dann erblicke ich ihn. Es gab während des Online-Kontaktes ein kleines…nun ja…Missverständnis. Naja, eigentlich nicht. Auf dem Vorschaubild, was winzig und etwas verpixelt ist, konnte ich wen Heißes mit starken, tätowierten Armen und einem niedlichen Lächeln erkennen. Wir schrieben tagelang hin und her und bisher hatte ich es nicht geschafft mir das vergrößerte Bild am Laptop anzuschauen bis ich nach weiteren Fotos fragte und nunja…da war der gar nicht mehr so hübsch. Weil der Kontakt für Wochen abbrach, hatte ich das verdrängt und nun stand er vor mir. Puh…er war ca. 1,80m groß, hatte tatsächlich starke Arme, aber die Tattoos wirkten nicht mehr ganz so cool. Und sein Gesicht…ja, sein Gesicht wirkte unglaublich alt. Dabei war der gerade mal 34. Und irgendwie trottelig mit komischen Augen.

Mit meinem ersten Eindruck war er aber wohl ganz zufrieden, grinste mich an und gab mir zur Begrüßung ein Küsschen links und rechts, während ich sein, leider für mich unansprechendes, Parfum einatmete.

Jetzt gab es nur zwei Möglichkeiten: Sagen, dass er mir rein optisch nicht gefällt und weglaufen. Oder sich nicht mehr so von Äußerlichkeiten beeinflussen lassen und ihm zumindest die Chance geben, mich während eines Drinks von sich zu überzeugen.

Möglichkeit 1 finde ich wahnsinnig fies und gemein, also entschied ich mich für die Zweite. Wir fuhren auf die andere Flussseite, weil ich sonst immer zu faul war, um dort hinzugehen und weil es dort schöne Biergärten gab. Während der Fahrt waren die Themen schnell durchgekaut und er wusste auch nicht so recht, wie er es anstellen sollte. Also das Date. Denn so was hatte er vorher noch nie gemacht. „Sich zu treffen, mit dem Wissen, dass man gleich eventuell Sex haben wird“

Wir parkten, hörten der schrecklichen Musik, die im Auto lief, zu und machten uns auf den Weg zum ersten Biergarten. Schnell umgucken, ob Bekannte anwesend sind…nein. Gut. Und hingesetzt. Und wenig geredet. Und auf den Kellner gewartet, der einfach nicht kam. Er seufzte nun öfters und meinte, dass wir bestimmt nichts bestellen könnten. Und dann sagte er: „Ich will ehrlich sein. Du gefällst mir. Wir bekommen hier eh nichts zu trinken. Wollen wir nicht einfach zu mir fahren?“ Überlegt. „Nein“ gedacht und auch gesagt. Schließlich wollte ich Bier trinken und zu ihm wollte ich erstmal auch nicht. War für ihn kein Problem, das ewige Warten aber schon, weswegen wir in einen anderen Biergarten wechselten.

Bei ersten Treffen machen vorherige Online-Dates 80% meines Gesprächsstoffes aus. Darüber konnte man sich ewig unterhalten, ohne dass man zuviel von sich verrät und das versuche ich ja immer zu vermeiden. Er darf alles über meine Vorlieben wissen, aber wo und was meine Schwester studiert, nicht. Da bei ihm aber keine anderen Dates vorhanden waren, fiel das weg und die restlichen 20 % waren schnell durchgekaut. Im Zweifelsfall kann man sich dann über Serien unterhalten. Aber die schaute er nicht. Reisen? Gran Canaria, Mallorca und Nordsee. Auch nicht so meine Welt. Studiert hatte er nicht. Oh, achso. Naja, dann können wir das hier ja eh beenden.

Und als er seine Cola fast ausgetrunken hatte und auch in meinem Bierglas nicht mehr viel übrig war, wollte er wissen, ob wir jetzt zu ihm fahren sollen oder ob ich nach Hause will. Das ganze hatte irgendwas von Aussitzen. Als ob die 30min. gegenübersitzen jetzt dafür ausgereicht hätten, dass ich mit zu ihm fahre. Aber nein. Er hatte sich kaum Mühe gegeben. Den wollte ich nicht. Auch wenn mir ein langweiliger Abend alleine in meinem Bett bevorstand, aber das klang gerade irgendwie besser. Ich verkündete also, dass ich nach Hause will, was er mit einem äußerst freundlichem „kein Problem!“ erwiderte. Wir fuhren relativ schweigend zurück zu mir, er bedankte sich brav dafür, dass ich mir Zeit für ihn genommen hatte und wünschte mir noch einen schönen Abend.

Ja, das hätte schlimmer kommen können. Denn letztens erzählte mir Mr Aufgeregt noch, dass ihm eine erzählte, dass sie sich mit jemandem aus dem Erotikportal getroffen hatte, nach dem erste „Beschnuppern“ aber ebenfalls kein Interesse mehr an dem Typen hatte. Er wollte das nicht akzeptieren, woraufhin er sich einfach nahm, was er sich von dem Abend erwartet hatte.

Also entweder scheine ich mit meinen „Auswahlkriterien“ sehr gut zu fahren oder habe nur einfach immer sehr viel Glück. Denn natürlich ist es, vor allem als Frau, sehr gefährlich sich mit Männern aus dem Internet zu treffen. Natürlich kenne ich die Regel sich nur an öffentlichen Plätzen und am Tag zu verabreden und nicht nachts in irgendwelche Autos einzusteigen.

Warum ich das trotzdem mache? Nervenkitzel. Ich fände ja auch eine Zombieapokalypse aufregend. So lange bis sie eintritt und ich nach zwei Tagen wegrennen keine Lust mehr habe. Und wahrscheinlich werde ich auch erst anfangen so richtig vorsichtig zu sein, wenn ich richtig auf die Schnauze gefallen bin.

13 Gedanken zu “Sollen wir nicht einfach zu mir fahren?

  1. Meine Liebe, ich finde deine Geschichten wirklich interessant und teilweise auch sehr anregend. Andererseits sind diese Aktionen nicht ganz ungefährlich (wie in diesem Beitrag angedeutet). Geht es dir um den Sex oder um den Nervenkitzel?

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  2. Siehst du, das sind zwei Gründe warum ich gerne in Clubs gehe (diese Clubs, die ich meine)… als Singlefrau wird man in denen in die ich gehe äußerst gut behandelt, das Personal schaut auch immer wieder nach einem, begleitet mich auch auf Wunsch zum Auto oder holt mich da ab.

    Niemand kann sich einfach irgendwas nehmen.

    Und… wenn einer nervt ist es sehr viel einfacher den wieder loszuwerden bzw man muss sich den schon gar nicht an die Backe binden ;-)

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      1. Naja, ist ja nicht so das man hingeht, sich breitbeinig hinlegt und wartet das 10 Männer über einen drüberrutschen, aber das muss man wohl erlebt haben. Für mich ist es immer eine Aufregende Sache und ich muss keine Angst vor Psychos oder Spinnern haben die mir im besten Fall nur die Zeit rauben :-)

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