Die Stadt wird eindeutig zu klein

 

Er hatte mich über meine Lieblingsapp angeschrieben. Zum fünften Mal oder so. Und weil mir gerade langweilig war, reagierte ich mal. Er war irgendwas Anfang 30, aus meiner Stadt, Sportlehrer/Fitnesstrainer und sah irgendwie sehr … holländisch aus. Das heißt sehr blond, sehr blass, sehr eher nicht so mein Typ. Auf seinen Fotos posierte er entweder am Strand von Ibiza oder vor irgendwelchen Sponsorenwänden auf wichtigen Events. Auch eher uncool. Aber mir war ja langweilig. Also schrieb ich mit ihm hin und her und schnell war klar, dass er das Abenteuer suchte. Und zwar das ganz große Abenteuer. „Ich würde voll gerne mal bei einem Gangbang mitmachen. Hättest du darauf Lust?“ Was? Aber Langeweile, also spielte ich mal mit. „Klar“ „Echt? Würdest du da mitmachen?“ „Ja. Kennst du denn da wen?“ „Klar, ich könnte da sicher was organisieren. Ein paar Jungs aus meiner Handballmannschaft würden dich sicher wollen.“ „Und wo soll das dann stattfinden?“ „Ich habe ein großes Haus. Da könnten wir das machen.“ Er wollte sich direkt am gleichen Abend noch mit mir treffen, damit wir die Location „mal testen“ können. Haha. Mir war da bereits klar, dass es nie zu einem Gangbang kommen würde und der Locationtest nur eine Ausrede war, damit ich zu ihm komme. Aber diese böse Langeweile ließ mich „heute geht es nicht mehr, aber morgen Nachmittag“ schreiben.

Wir wechselten zu WhatsApp, ich verriet ihm den Treffpunkt an dem er mich abholen kommen sollte. Noch mal schnell bei Facebook geschaut, ob ich ihn über seine Handynummer finden kann und ja. Da war er. Ein gemeinsamer Freund. Das Risiko konnte ich mal eingehen. Er war überpünktlich da und wartete am vereinbarten Ort in seinem Auto. In seinem überaus schicken Auto. Ich war ja schon ein wenig beeindruckt. Ich öffnete die Tür und nahm neben ihm Platz. Er begrüßte mich freudestrahlend und plauderte fröhlich drauf los. „Wo gehst du so weg? Wieso habe ich dich noch nicht gesehen? Die Stadt ist doch nicht so groß. Wir müssten uns doch kennen.“ Scheinbar nicht. Ich hatte ihn vorher noch nie gesehen. Wir fuhren ca. 15min. und hielten dann vor einem großen Neubau. Hier wohnte er? Wie alt war der noch? Wieso hatte der jetzt schon ein Haus? Er öffnete die Tür und ließ mich rein. „Wunder dich nicht. Ich bin gerade erst eingezogen. Ist also noch nicht ganz fertig.“ Aber das Wohnzimmer war fertig und wir nahmen auf der riesigen Couch Platz. „Also hier könnte der Gangbang dann stattfinden. Willst du den Jungs mal eine Sprachnachricht in der Handballgruppe hinterlassen?“ Ähm. Nein. Wir spielen das doch eh nur. „Oder willst du das machen nachdem wir die Location getestet haben?“ „Klar“ Und dann fing er an mich zu küssen. Hmm…war eher ging so. Ich wusste gleich, dass da heute nicht viel laufen würde. „Er ist schon ganz hart. Willst du ihn sehen?“ Mit der Frage verhält es sich wie mit der „gefällt dir das?“-Frage. Wenn er nicht glitzert und in allen möglichen Regenbogenfarben leuchtet, dann ist die Frage irgendwie immer überflüssig.

Er atmete schon ganz schwer und fragte wieder „willst du ihn sehen?“ Mein Gott, wo war ich hier bloß gelandet? Ich dachte „vielleicht wird das hier wenigstens eine witzige Blogstory“ und sagte mal „ja“. Und dann packte er ihn aus. „Gefällt er dir?“ Argh. Wird nicht besser hier. Auch keine schöne Frage. Entweder ich nehme ihn verzückt in die Hand oder verziehe das Gesicht und schrei „iih, nehm ihn weg!“ Er streichelte über meine Beine, die in einer Strumpfhose steckten und meinte: „Von mir aus können wir das hier gerne öfter machen.“ Ähm, ich glaube ich habe mich jetzt schon dagegen entschieden. Trotzdem ließ ich mir von ihm mal meine Strumpfhose ausziehen. Schließlich wollte ich ja auch ein wenig Spaß haben. Er stöhnte beim Anblick meiner blanken Pussy und starrte sie gierig an, bevor er sie mit den Fingern bearbeitete. Ihm wurde langsam warm und zog sich deshalb sein T-Shirt aus. Oooh…dafür, dass er doch mit Sport sein Geld verdiente, war da gar kein Sixpack zum bewundern und betatschen. Er war eher sehr athletisch, ohne starke Arme. Wie langweilig. Er lag also neben mir auf dem Sofa, bearbeitete angestrengt seinen Schwanz und fingerte mich nebenher immer mal wieder. Ich saß daneben und schaute verwundert zu. Komische Situation. Wirklich merkwürdig. „Willst du ihn mal in den Mund nehmen?“ Ach Junge. Du kannst es wirklich gar nicht. Erfahrungsgemäß bekommt frau nämlich nichts zurück, wenn er erstmal seinen Blowjob erhalten hat. „Nein. Heute nicht.“ „Dann beim nächsten Mal?“ „Jaja“ „Dann fass ihn mal an!“ Kam mir hier irgendwie wie eine 14-Jährige vor, die zum ersten Mal Peniskontakt hatte. Ich griff also zu und mein Gott war der hart. Ich fuhr vielleicht ein paar Mal mit der Hand auf und ab, er stöhnte laut und nahm ihn dann wieder selbst in die Hand. „Ich will zugucken, wie du es dir machst!“ Da seine Reibereien bei mir eher wenig Wirkung zeigten, war ich ganz froh über den Vorschlag. Ich legte also selbst Hand an mir an, er murmelte wie geil er das finden würde und kam innerhalb von wenigen Sekunden. Wie bei einem 14-Jährigen. Passt ja.

Er stand auf. Machte sich sauber und zog sich wieder an. „Willst du dir noch die Jungs auf Facebook angucken?“ „Frag erstmal, wer mitmachen will und schick mir die Auswahl dann bei WhatsApp.“ Er würde sich doch eh nicht trauen, irgendwen zu fragen. Er fuhr mich anschließend wieder nach Hause und natürlich verlor er über den Gangbang kein weiteres Wort. Nie wieder.

Inzwischen war über ein Monat vergangen. Ich war mit meiner ehemaligen Mitbewohnerin zum Essen verabredet und sie erzählte mir mal wieder was von ihrem ehemaligen Lover. Er war damals Sportlehrer an ihrer Schule. Der Schwarm aller Schülerinnen und sie hatte es kurz nach ihrem Abi geschafft, die Auserwählte zu sein. Sie waren nie wirklich zusammen, weil es aus irgendeinem Grund nicht klappte, bevor es überhaupt angefangen hatte. Das Ganze war inzwischen fünf Jahre her, doch wirklich überwunden hatte sie das nie. „Habe ich dir schon das Neueste vom Sportlehrer erzählt?“ „Nee“ „Der hat jetzt eine Freundin. Und die ist so hässlich! Das tut richtig gut, dass er nach mir jetzt irgendwie so tief gesunken ist.“ Ja. Sie ist wirklich wahnsinnig überzeugt von sich selbst und hält sich für äußerst hübsch und attraktiv. Alles Geschmackssache, aber mein Fall wäre sie jetzt nicht. Da sie gleichzeitig aber auch sehr gut über sich selbst lachen kann, ist sie trotzdem sehr sympathisch und wir schreiben ihr die Selbstverliebtheit einfach immer als liebenswerte Macke zu. Sie kramte ihr Handy hervor und zeigte mir ein Bild der neuen Freundin. Hässlich war die nicht. Sogar ganz hübsch. Im Gegensatz zu ihr eher das graue Mäuschen, aber nun gut. „Zeig noch mal den Sportlehrer.“ Und sie kramte weiter, während sie sich weiter darüber aufregte, dass er doch sie hätte haben können und stattdessen die andere da genommen hat. „Das ist er!“ Und dann hätte ich am liebsten fast losgeschrien. Ihr könnt es euch vielleicht denken. Mir grinste da tatsächlich, im bunten Anzug auf irgendeinem roten Teppich stehend, der Typ aus der oben stehenden Story entgegen. Mein Gott. Kein Wunder, dass ihm meine Adresse so vertraut war. Hier hatte er sie vor ein paar Jahren auch immer abgeholt. Mein Hirn war damit beschäftigt „ohmeingottohmeingottohmeingott“ zu denken und sich gleichzeitig all das in Erinnerung zu rufen, was sie mir damals erzählt hatte. Das war DER tolle Typ, weswegen sie nachts nicht schlafen konnte, weil sie immer nur an ihn denken musste? Weswegen sie nachts um 3Uhr in mein Zimmer kam, weil sie sich mal wieder sein WhatsApp Bild angeguckt hatte und aus Versehen anrief und nun ganz schnell eine Ausrede brauchte? Der, an den sie noch heute sehnsüchtig zurückdachte? DER da?

Ich beschloss, mir ein „oh Gott, den kenn ich! Der war eins meiner miesesten Dates überhaupt!“ zu verkneifen und versuchte Ruhe zu bewahren. Das konnte ich ihr nicht verraten. Auch wenn es sie wahrscheinlich sehr gefreut hätte, dass er die hässliche Neue jetzt schon betrog. Stattdessen blieb ich still, während sie auf die Toilette verschwand und ich hinter ihr mein 20min. Date entdeckte. Diese Stadt wird eindeutig zu klein.

13 Gedanken zu “Die Stadt wird eindeutig zu klein

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