Wie war das mit der Zuverlässigkeit?

„Na, alles klar bei dir?“, leuchtet plötzlich eine Nachricht in meinem Postfach auf. Es ist Mr Hachsoschön, der sich alle paar Monate meldet, in der Hoffnung, dass ich ihm doch noch eine Chance gebe. Aber die hat er sich in der Vergangenheit immer selbst verbaut, weil er eigentlich immer nur so lange meine Aufmerksamkeit will, bis ich ihm die Bestätigung gebe, dass ich ihn will. Und dann verschwindet er und kommt Monate später wieder an. Das geht jetzt seit Jahren so, aber aus irgendeinem Grund habe ich das Gefühl, dass es dieses Mal anders ist. Außerdem liege ich gerade in meinem Turmzimmer auf Mallorca und bin hellwach, weil ich Panoramafenster habe und mir die Sonne ins Gesicht scheint. Um 8 Uhr morgens. Was nicht schlimm ist, denn ich bin ausgeschlafen und beim Anblick des blauen Himmels bin ich gut gelaunt, aber keiner der anderen ist wach, also hänge ich am Handy. Und da ist nun mal die Nachricht von Mr Hachsoschön. Ich antworte und wir schreiben fast den ganzen Tag miteinander. Ich gebe mich interessiert und frage ihn viel und er antwortet zügig. Auch am nächsten Tag, wo ich ihm zu verstehen gebe, dass er noch eine Chance bekommt. Auch am drauf folgenden Tag schreiben wir alle paar Minuten, was möglich ist, weil ich gerade am Flughafen sitze und alleine bin. Meine Freunde haben nämlich bereits eingecheckt und sind auf dem Weg in meine alte Heimat. Da ich aber in meine Neue fliege, bin ich alleine.

 

Ich habe Mr Hachsoschön beauftragt, mich zu unterhalten und das macht er. Ich schaffe es nicht eine der 13 Folgen zu schauen, die ich mir extra auf mein iPad geladen habe und plötzlich sind die sechs Stunden Wartezeit vorbei und ich sehe auf der Anzeigetafel, dass mein Flug Verspätung hat. Oh mist.

Der Flug geht sowieso schon am späten Abend und ich habe genau 30 Minuten Zeit, um den letzten Flughafen Shuttle zu erwischen. Danach heißt es entweder ein sehr, sehr teures Taxi nehmen oder eine Stunde warten, um dann 90 Minuten mit dem Zug und der Straßenbahn durch die Gegend zu tuckern.

„Ich hätte gerade voll Lust, dich vom Flughafen abzuholen und dich dann zu lecken“, erscheint plötzlich auf meinem Display, während ich aufstehe, um mich an der Schlange anzustellen, um meinen Koffer einzuchecken. Ich fange sofort an zu grinsen. Das wäre ideal!

Aber ich habe meine Tage und eine Blasenentzündung (Dixi Toiletten auf dem Festival sei Dank) und sein Plan würde nicht aufgehen.

„Wie ärgerlich“, antwortet er, als ich ihm das Problem mitteile.

„Ja, total“, schreibe ich und schicke noch hinterher, dass das wirklich meine Rettung wäre, weil ich sonst wahrscheinlich Stunden brauchen würde, um nach Hause zu kommen. Und dass man ja auch sicherlich etwas anderes machen könnte.

„Wann bist du denn planmäßig da?“, fragt er.

„Nach 0 Uhr …“, schreibe ich und denke, dass er das doch eh nicht machen würde. An einem Samstagabend. Wieso auch? Ich weiß, dass er sich momentan mit einigen Frauen trifft und es an Angeboten nicht mangelt. Wieso sollte er dann für mich stundenlang durch die Nacht fahren?

„Mhh…das ist nicht früh. Wann genau?“

„Um 0.10 Uhr“

„Ach, das geht ja noch. Wenn du pünktlich bist und keine Stunden Verspätung hast, hole ich dich gerne ab.“

Meint er das ernst? Wir haben uns zwei Mal getroffen und ja okay … über Jahre hinweg immer mal wieder recht ausführlich geschrieben. Aber das war es eigentlich auch schon. Wieso sollte er mich abholen kommen? Also außer, dass für ihn ein ganz besonderes Dankeschön rausspringen würde, was er aber auch so an einem anderen Tag bekommen hätte.

Ich wollte dem ganzen nicht so recht trauen und schreibe noch eine Freundin an, mit der ich am nächsten Morgen verabredet bin. Aber die scheint von der Idee noch mal nach draußen zu müssen, nicht so angetan zu sein.

 

Inzwischen habe ich den Security-Check passiert und kämpfe mich durch den riesigen Dutyfree-Bereich und widerstehe dem super günstigen Alkohol (denn ich trinke jetzt erstmal eh nichts mehr). Ich bleibe sogar beim Make-Up stehen und schaue mir das Puder an, denn ich bin bereits seit über 12 Stunden unterwegs und glänze im Gesicht. Schließlich sind es auf Mallorca 30 Grad. Und wenn ich tatsächlich abgeholt werden sollte, will ich zumindest einigermaßen frisch aussehen. Ich bin froh, dass ich nicht wie die anderen bis 4 Uhr Party gemacht und nur 3 Stunden Schlaf bekommen habe, sondern den Ballermann blöd fand und bereits um 20 Uhr nach Hause gefahren bin. So schaffe ich es zumindest, einigermaßen klar durch das Gewusel am Flughafen zu kommen, während ich zwischendurch immer wieder auf mein Handy starre.

Ich suche die Anzeigetafel und stelle fest, dass es noch nicht mal ein Gate gibt, zu dem ich jetzt laufen könnte, weil die Maschine noch nicht da ist.  Also setze ich mich und checke schon mal die Taxipreise. Puh … fast so viel wie unser Mietwagen für eine Woche gekostet hat.

Ich erfahre, dass der Flug ca. eine halbe Stunde Verspätung haben wird und teile es Mr Hachsoschön mit.

„0.45 Uhr wäre auch noch in Ordnung“, schreibt er und ich atme erleichtert auf. Erstmal. Denn ich glaube noch immer nicht, dass er später auch wirklich am Terminal steht und mache mich auf 90 Minuten Bahnfahrt bereit.

 

Das Gate wird verkündet, ich nehme Platz ich starre nervös auf mein Handy.

„Und woher weiß ich, dass du später auch wirklich da bist?“, frage ich. Schließlich ist mein Handy gleich erstmal aus und wenn ich mich drauf verlasse, versuche ich natürlich nicht mehr noch den Bus zu bekommen und wenn er nicht da sein sollte, steh ich da doof rum.

„Schreib mir sofort, wenn du landest. Dann sollte ich pünktlich da sein, wenn du mit dem Koffer draußen bist.“

Und dann nennt er mir noch das Auto, was er fährt. Aber das bringt mir doch eh nichts, wenn da noch hunderte weitere Autos stehen.

Inzwischen ist es 22 Uhr. Das Gate sollte um 21.20 Uhr schließen, der Flieger um 21.50 Uhr starten, aber das Boarding hat noch nicht mal angefangen. Ich sehe schwarz, für eine pünktliche Ankunft in meinem Bett.

Dann kommt aber endlich die Durchsage und wir starten mit einer Verspätung von ca. 40 Minuten, machen während des Fluges aber wieder ein paar Minuten wett. Ich schaffe drei Folgen Grey’s Anatomy, während die Oma neben mir mit offenem Mund schläft und wir kommen mit 20 Minuten Verspätung an. Sobald wir die Rollbahn betreten, schicke ich eine Nachricht an Mr Hachsoschön, der sofort bestätigt, dass er nun losfährt. Keine zehn Minuten später stehe ich am Kofferband und erblicke meinen kleinen, rosa Koffer.

„Stell dich schon mal an die Straße. Bin fast da“, schreibt er mir, aber ich muss erstmal auf Klo.

Beim Blick in den Spiegel versuche ich erstmal mein Make-Up zu retten. Der Lidschatten ist in die Lidfalte gerutscht, meine Mascara findet sich unter meinem unteren Wimpernkranz wieder. Meine Haut ist mir nicht gerade dankbar dafür, dass ich sie eine Woche lang mit dem extrem chlorhaltigen Wasser gewaschen habe und meine Haare liegen nicht und sind am Ansatz fettig. Ich hätte doch auch niemals geahnt, dass ich heute noch ein Date habe.

Ich ziehe meine Strumpfhose, die ich auf der Flughafentoilette in Palma noch schnell angezogen habe, zurecht und beschließe, dass ich die heute erst ausziehen werde, wenn ich wieder alleine bin. Ich fühle mich schmutzig und ungepflegt und ohne eine stundenlange, ausgiebige Beautybehandlung darf keiner sehen, was sich darunter befindet.

 

Nervös laufe ich durch den Ausgang und gehe zielstrebig nach draußen. Keiner zu sehen.

„Wo bist du?“, frage ich ihn und er schreibt, dass er oben auf mich wartet. Welches oben? Ich bin bisher ein Mal an diesem Flughafen angekommen und habe dort den Bus genommen, der auf der Ebene hält, wo ich jetzt stehe und den ich übrigens um knapp 5 Minuten verpasst habe. Auch ohne Toilettengang. Ich gucke mich um und sehe, dass über mir ebenfalls Autos stehen und fahre zwei Stockwerke nach oben.

„Ich stehe ganz am Anfang“, schreibt er. Schon wieder so eine Aussage, mit der ich nichts anfangen kann.

„Welcher Anfang?“, will ich wissen und schaue mich um. Ich sehe die Taxis auf der einen Seite und die normalen Autos auf der anderen. Und direkt am Anfang ein Auto, das auf die Beschreibung passt und vor dem ein sehr großer Mann mit Handy in der Hand lehnt. Ist er das etwa? Ich laufe auf ihn zu und er kommt näher. Scheinbar hat er mich auch erkannt. Er lächelt und bleibt vor mir stehen. Ja, er ist es. Puh, so gut aussehend hatte ich ihn nicht in Erinnerung. Vielleicht hätte ich doch noch meinen Glitzerhaarreifen aufsetzen sollen. Dann würde ich mich jetzt etwas glamouröser fühlen.

Erleichtert falle ich ihm um den Hals. Das hätte ich wirklich nicht gedacht. Ich habe mich schon meinen letzten Hunderter an den Taxifahrer weitergeben sehen, weil ich zu faul gewesen wäre, mit der Bahn zu fahren. Wir verstauen meinen Koffer und ich nehme vorne neben ihm Platz.

„Wie war das noch mit der Zuverlässigkeit?“, sagt er und fährt los. Ja, wie war das noch? Das hatte ich ihm nämlich vorgeworfen und damit mein Desinteresse begründet. Er schreibt mir immer wieder, nur um dann in letzter Minute wieder abzusagen. Nicht gerade das, was man unter Zuverlässigkeit versteht. Aber das wollte er wohl nicht auf sich sitzen lassen.

 

Er fährt mich nach Hause und wir plaudern ein wenig über meinen Urlaub. Als er in meine Straße fährt, bin ich unsicher, wie es jetzt weitergehen soll. Darüber haben wir nicht geschrieben, nur dass ich supermeganett sein werde, wenn ich tatsächlich den letzten Shuttle verpassen sollte und er dann mein Retter ist.

Er sieht einen Parkplatz und fährt zielstrebig darauf zu. Die sind nämlich selten in meiner Straße. Aber der ist zu klein. Nur wenige Meter weiter findet er noch einen passenden. Er steigt mit mir aus, macht mir den Kofferraum auf und ich hole mein Gepäck heraus.

„Soll ich jetzt noch mitkommen?“, fragt er, bevor ich ihn fragen kann, ob er noch mit rein kommen will.

„Wenn du magst, gerne.“

Ich habe Lust darauf, mich bei ihm erkenntlich zu zeigen und führe ihn in die Wohnung. Zum Glück habe ich vorher noch aufgeräumt und er nimmt direkt auf meinem Bett Platz, als ich Wasser hole.

„Und du hast also deine Tage?“, will er wissen und ich nicke.

„Wie schade…“

„Ja, aber du hast ja keine“, erwidere ich.

„Nee, das stimmt.“

Es ist schon spät, ich habe eine Reisetablette genommen und bin kurz davor einzuschlafen, weswegen ich ihm ziemlich deutlich zu verstehen gebe, dass er sich jetzt seine Belohnung verdient hat.

Er zieht seine Hose aus und zum Vorschein kommt sein wirklich großer, harter Schwanz. Ich lasse mir Zeit, denn er gibt mir viel Feedback, wodurch es mir erst so richtig viel Spaß macht und schaue zufrieden zu, als er kommt.

„Und Donnerstag oder Freitag hast du deine Tage also nicht mehr?“, fragt er noch mal nach. Da hatten wir nämlich eigentlich geplant uns zu treffen und ich stimme zu.

Es wird immer später und ich spüre deutlich, wie meine Lider immer schwerer werden. Ich begleite ihn noch nach draußen und wir verabschieden uns bis zum nächsten Mal und da werde ich dann ganz sicher nicht, meine Strumpfhosen anlassen.

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