auf den Philippinen 2

Ich sitze gerade in einem viel zu kalten Zimmer in El Nido auf Palawan. Eigentlich war geplant, dass meine Schwester ebenfalls mit auf die Philippinen kommt. Dementsprechend hat meine Cousine in weiser Voraussicht ein Familienzimmer gebucht. Leider. Denn die Familienzimmer liegen in zweiter Reihe, während die Doppelzimmer direkt am Strand liegen. Am Strand von El Nido. An der Bucht mit Blick auf die typischen philippinischen Boote, die an den Seite diese hölzernen Stützarme haben und mit Blick auf die rauen Felsen, die aus dem Wasser ragen. Die Aussicht wäre genial gewesen. Die Aussicht in diesem Zimmer dagegen leider nicht. Leider überhaupt nicht. Denn wenn wir die Vorhänge aufziehen, blicken wir auf die Baustelle nebenan, die tagsüber ziemlich laut ist. Aber wer bleibt am Tag schon im Hotelzimmer? Also außer mein Vater, der über Fieber und Appetitlosigkeit klagt und bis auf Bananen nichts herunter bekommt. Wahrscheinlich eine Lebensmittelvergiftung. Von den Eiswürfeln in den Getränken, vom Leitungswasser, das beim Zähne putzen in seinen Mund geraten ist oder vom Fisch in Davao, der seit mehreren Stunden ungekühlt in der Theke lag. Bei 31 Grad.

 

Mir dagegen geht es gut. Zumindest einigermaßen. Wir haben direkt am ersten Tag eine Island Hopping Tour gemacht. Tour A. Die Tour, bei der man über schroffe Steine in eine einsame Lagune klettert, mit dem Kajak krasse Wellen überwinden muss, bis man in eine weitere einsame Lagune kommt und am Ende Hunde an einem traumhaft weißen Sandstrand streicheln kann. Diese Tour war ganz schön anstrengend. Als meine Mutter vorgeschlagen hat, dass wir eine Island Hopping Tour machen, dachte ich, dass wir auf einem Boot von Insel zu Insel schippern. Dass wir an weißen Sandstränden landen und dann bequem vom Boot springen.

Dass wir direkt zu Beginn der Tour mit unseren ganzen Sachen erstmal durch das brusthohe Wasser im Meer wandern müssen, um zum Boot gelangen, habe ich nicht erwartet. Auch nicht, dass die erste Destination so einsam und unerreichbar ist, dass das Boot gut 200m davor hält und man den weiten und recht gefährlichen Weg über Steine und tote Korallen zurücklegen muss. Als ich völlig fertig mit den Nerven am Strand angekommen bin, habe ich erst gemerkt, dass ich mir das Schienbein an Steinen oder Korallen aufgeschlagen habe und es furchtbar blutet, als einer der Tour Guides mich darauf aufmerksam macht. Aber ein Pokémon Trainer kennt keinen Schmerz. Oder so ähnlich. Ich habe es weggewischt und den Schmerz weggelacht. Zwei Tage später tut es dann doch furchtbar weh und ich schicke ein Foto der Wunde an eine befreundete Ärztin, weil es in El Nido selbst keinen Arzt gibt. Nur ein Krankenhaus. Sie gibt Entwarnung und ich kann mich meinem Sonnenbrand widmen, der ebenfalls furchtbar weh tut. Meine Mutter hat mir im Vorfeld nämlich nicht erzählt, dass wir nur mit Handgepäck reisen und als gewissenhafte Deutsche, die immer die Regeln befolgt, habe ich mein gutes, deutsches, wasserfestes Sonnenspray Zuhause in Davao gelassen, weil es über 100ml enthält. Dass ich auch mit einer 1l Flasche hätte anreisen können, weil das am Flughafen absolut niemanden interessiert, habe ich nicht glauben wollen, weswegen ich in Puerto Princesa eine absolut überteuerte, schlechte Sonnencreme mit LSF 35, nicht wasserfest und für fast 10 Euro gekauft habe, weil es nichts anderes gab. Außer Sunblocker mit Whitening Effect natürlich. Aber man soll doch sehen, dass ich im Urlaub war, wenn ich in zwei Wochen wieder im kalten Deutschland bin.

Also habe ich jetzt Sonnenbrand und Sonnenallergie, weil ich natürlich nicht rechtzeitig mit der Calcium-Einnahme begonnen habe und die Sonne mich so unerwartet und heftig getroffen hat. Nicht auf dem Boot. Da bin ich nämlich immer schön in den Schatten geflüchtet, aber auf dem Meer. Beim Schnorcheln. Als ich Familie Nemo gefunden und beobachtet habe. Für sehr lange Zeit.

Ich liege also mit meinem schmerzenden Bein und meinem Horrorsonnenbrand auf dem Bett im kalten Zimmer und habe das Bedürfnis direkt am nächsten Tag wieder so etwas Spannendes zu machen. In El Nido kann man tauchen. Ganz gut sogar. Und direkt neben dem Hotel befindet sich ein Tauch Shop. Ebenfalls ein recht guter. Und ich habe doch letztes Jahr meinen Tauchschein gemacht. Was für ein Zufall! Also creme ich meine geschädigte Haut mit der überteuerten Bodylotion ohne Whitening Effect ein, ziehe mir ein Kleid an und laufe die paar Meter rüber.

„Yes, Ma’am?“, ruft mir die Frau hinter dem Tresen zu. Ich erschaudere jedes Mal, wenn ich das philippinisch ausgesprochene Ma’am höre. Es klingt nicht wie die amerikanische Kurzform von Madam. Sondern einfach nur wie Mom. Es ist ok, wenn meine Mutter so angesprochen wird, aber ich fühle mich dadurch plötzlich wie 40. Ich erkläre ihr, dass ich tauchen gehen will und sie deutet auf einen der Mitarbeiter, der gerade durch die Tür kommt. Wir setzen uns hin, er will wissen, welchen Tauchschein ich habe und studiert mein PADI Kärtchen ganz ausführlich, während ich die Formulare ausfülle und ihm die grüne Eco-Bescheinigung reiche, die man bekommt, wenn man die 200 Peso für die Eco-Tax bereits bezahlt hat. Er nennt mir den Preis, der für die Philippinen recht hoch ist, als Europäer aber unter dem Durchschnitt liegt. 80 Euro für 3 Tauchgänge, Ausrüstung und Essen. Er kassiert die Anzahlung ein, erklärt mir lang und ausführlich, warum sie das machen, bis er bemerkt, dass ich ja im Hotel nebenan bin und sie mich notfalls aus dem Zimmer schleifen könnten, sollte ich nicht pünktlich sein. Ich nicke, verabschiede mich und gehe mit meiner Mutter ziemlich leckeres Schweinefleisch essen.

Essen ist auf den Philippinen so eine Sache. Erst heute habe ich verzweifelt versucht, etwas ohne Reis zu bekommen. Hier gibt es immer Reis. Selbst bei McDonalds. Wahrscheinlich würden sie Reis auch zur Pizza servieren, wenn sie könnten. Aber nach 2 Wochen mit zwei Reismahlzeiten am Tag kann man es irgendwann nicht mehr sehen. Eigentlich mag ich Reis. Inzwischen hasse ich Reis. Und ich kann mich an ein Leben vor dem Reis gar nicht mehr erinnern. Was habe ich sonst jeden Mittag und jeden Abend gegessen? Ich weiß es nicht. Auf jeden Fall gab es Reis. Reis mit Fleisch. Vegetarier haben auf den Philippinen kaum eine Chance. Veganer sowieso nicht. Außer in den Touri-Orten vielleicht. Und dann gab es Halo-Halo. Aber das war schlecht gemacht. Und ziemlich eklig.

Anschließend schlendern wir noch durch die Straßen und suchen nach Postkarten. Postkarten gibt es selten. In Davao habe ich immer noch keine gefunden. In Manila ebenfalls nur vereinzelnd. In El Nido dagegen werde ich fündig. Hier sind ja auch Touris. Und Touris sind auf den Philippinen für mich irgendwie komisch. Ich komme seit Jahren immer nur nach Mindanao, wo sich seit ein paar Jahren nur noch sehr selten welche hintrauen. Eine Freundin von mir war letztes Jahr auf den Philippinen und ihr wurde sogar erzählt, dass sie für Mindanao gar kein Visum bekommen würde. Aber für El Nido schon. Und da sind entweder junge Backpacker, die den Philippinen auf ihrer Asienrundreise einen Besuch abstatten oder ältere weiße Männer, die hoffen, hier eine junge, schöne philippinische Frau kennen zu lernen und mit nach Deutschland zu nehmen. Und das klappt ziemlich gut. Die Philippinen sind zwar schön. Vier Jahreszeiten sind aber manchmal noch schöner.

Das denke ich mir auch, als ich verschwitzt zurück ins Hotelzimmer komme und meine dreckigen Füße erstmal unter die Dusche halte. Ich schaue auf die Uhr und sehe, dass es erst 21 Uhr ist. Hier wird es bereits um 18 Uhr dunkel und das obwohl es draußen so heiß ist. Ich denke also automatisch, dass wir schon 23 Uhr haben müssen, wenn der Himmel schwarz ist, aber falsch gedacht. Ich packe meinen pinken Ocean Back, nehme meine Calcium Tabletten, um noch irgendwas zu retten und werfe noch eine Cetirizin für die Mückenstiche hinterher. Dann stelle ich meinen Wecker für 6.30 Uhr und lege mich pünktlich um 21.30 Uhr ins Bett. Wie so eine Oma.

Und dann bekomme ich Angst. Vorm tauchen. Denn eigentlich habe ich wirklich Angst davor. Davor, dass mir die Luft ausgeht, der Tank schon zu Beginn leer ist oder ich meinen Buddy verliere und für immer im Meer verloren gehe. Und davor, dass ich eine Flosse ins Gesicht geschlagen bekomme und meine Maske verliere und sie dann wieder aufsetzen muss. Habt ihr mal einen Tauchschein gemacht und diese bekackte Übung mit der Maske absetzen und wieder aufsetzen im Pool und dann auch noch im Meer machen müssen?! Ich bin fast wahnsinnig geworden und habe überlegt, wie viel ich meinem Tauchlehrer wohl zahlen muss, um diese Übung überspringen zu dürfen. Und dann habe ich sie aber doch gemacht und irgendwann sogar freiwillig, weil meine Maske nicht saß und ständig Wasser reingelaufen ist, weshalb ich sie in 18m Tiefe mit meinem Tauchlehrer tauschen musste. FREIWILLIG!

Durch die Cetirizin schlafe ich aber irgendwann recht schnell ein, träume nicht von Masken, die im Meer verloren gehen und wache ziemlich fit auf, als mein Wecker klingelt. Ich ziehe mich an, laufe zum Frühstück auf der gegenüberliegenden Seite und finde mich dann wenig später pünktlich im Tauch Shop ein. Neben mir ist ein weiterer Open Water Diver dabei, der mein Buddy ist. Eine weitere macht erst ihren Schein, während eine andere den Auffrischungskurs macht. Dann gibt es noch zwei erfahrene Taucher, die unbedingt durch die Höhle tauchen wollen, während ein anderer seinen Dive Master macht. Das erste Briefing folgt, alle stellen sich vor und dann werden die Wetsuits verteilt und angezogen.

Wir laufen die paar Meter runter zum Strand, laufen durch das Wasser auf das Boot zu und dann geht es los.

 

2 Gedanken zu “auf den Philippinen 2

  1. Musste erstmal Googlen wie weit El Nido vom Taal entfernt ist (~350km, denke mal das ist ein sicherer Abstand). Viel Spass beim Strandurlaub, ich bin etwas neidisch auf die Tauchgänge!

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    1. Schon ein Stückchen, ja. Die Panik haben wir auch gar nicht mitbekommen und das obwohl wir in Manila umsteigen mussten. Waren wohl auch nur ein paar Stunden, die zwischen unserem Flug und der Sperrung vom Flughafen lagen. Haben da wohl noch etwas Glück gehabt

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